Freitag, 31. Juli 2009

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

Wir können etwas, das wir brauchen, nicht lieben.
- Charlotte Joko Beck

Liebe ist kein Synonym für Mögen, Begehren, Sehnen, süchtig nach etwas sein.

Gene.

Denke ich Gene, sehe ich ein Buch mit Kochrezepten vor mir In der Eizelle vermischen sich die Kochbücher von Mam und Dad nach bestimmten Regeln zu einem einzigen Exemplar und das Wechselspiel zwischen Zelle und Umgebung beginnt.

Gene kodieren Rezepte, Herstellungsvorschriften für bestimmte Botenstoffe. Sie kodieren keinerlei explizites Verhalten. Die Frage, welches Verhalten angeboren ist, ist nur eine rhetorische Frage, denn zum Zeitpunkt der Geburt haben wir schon neun Monate Lern- und Anpassungsprozesse hinter uns.

Was ein Baby im Mutterleib erlebt, wie es seine Umgebung wahrnimmt und wie es sich daran anzupassen versucht, ist nicht nachvollziehbar. Eng, feucht, dunkel, dumpfes Pochen, Blubbern, eine sich willkürlich ändernde Umgebung, mal kopfüber, mal anders herum, durchströmt von den seltsamsten Stoffen in vielfältigsten Dosierungen. Also schön, stelle ich mir anders vor.

Montag, 27. Juli 2009

Reframing.

Eines Tages lief das einzige Pferd eines Bauern weg. All seine Nachbarn riefen, wie schrecklich das sei, aber der Bauer meinte nur, 'vielleicht'. Ein paar Tage später kehrte das Pferd zurück und brachte zwei Wildpferde mit. Die Nachbarn freuten sich alle über sein günstiges Geschick, aber der Bauer sagte nur, 'vielleicht'. Am nächsten Tag versuchte der Sohn des Bauern, eines der Wildpferde zu reiten. Das Pferd warf ihn ab, und er brach sich ein Bein. Die Nachbarn übermittelten ihm alle Ihr Mitgefühl für dieses Mißgeschick, aber der Bauer sagte wieder 'vielleicht'. In der nächsten Woche kamen Rekrutierungsoffiziere ins Dorf, um die jungen Männer zur Armee zu holen. Den Sohn des Bauern wollten sie nicht, weil sein Bein gebrochen war. Als die Nachbarn ihm sagten, was für ein Glück er hat, antwortete der Bauer, 'vielleicht'.

Unglück ist eine Frage des Kontexts. Verschiebt sich der Kontext, verschiebt sich die zugewiesene Bedeutung.

Ich darf mir den Bauern nicht als emotionslosen, stoischen Menschen denken, sondern als einen, der sich seine Zufriedenheit, sein inneres Glück bewahren gelernt hat.

Freitag, 24. Juli 2009

Alles ist gut.

Aufwachen und spüren: alles ist gut. Es ist tatsächlich gut. Hier und jetzt.

Erst als ich heute Mittag ein Wunschziel für einen NLP-Selbstversuch gesucht habe, entdeckte ich meine Wunschlosigkeit. Ich bin völlig zufrieden im Jetzt. Ich mache, was ich mache. Ich lerne NLP, beschäftige mich mit östlicher Philosophie, mit Meditation, Yoga und ähnlichem. Alles Soll, Muß, Würde und Könnte ist aus meinem Kopf gefegt. Ich folge meiner Intuition, die mich momentan kreuz und quer durch mentale Techniken und spirituelle Praktika treibt.

Eigentlich ist es ein Armutszeugnis, erst nach über vierzig Jahren rauszufinden, wie sehr sich der eigene Geist formen läßt. Tue ich es nicht selbst, übernimmt diesen Job die Umwelt. Und was von den zwei Alternativen ist da wohl die vernünftigere?

Angekommen fühlen und doch in Bewegung sein. Schön.

Chris Frith: Making Up the Mind - How the Brain Creates Our Mental World

Seit man Vorgänge im Hirn technisch visualisieren, dem Mensch also beim Denken zusehen kann, hat die (Neuro-)Psychologie große Fortschritte gemacht. Da und dort fehlen zwar noch sehr viele Details, aber das "Bild" ist deutlich klarer geworden.

Vorbelastet durch die buddhistische Literatur der letzten Wochen fallen mir natürlich die vielen Parallelen auf. Das, was die einen durch jahrelanges Rumsitzen aus der Innenperspektive erkundet haben, finden die anderen nun auch in der Außenperspektive vor. Abstrahiert man vom entsprechend verwendeten Vokabular, sind die Ähnlichkeiten frappant.

Fakt: Sinneswahrnehmungen werden dem Gehirn in vereinheitlichter Form übermittelt. Der Inhalt der Signale läßt keinen Rückschluß mehr zu, ob ein Signal z.B. vom Auge oder vom Ohr kam.

Das erklärt unter anderem, warum Gehirnareale andere Funktionen übernehmen können. Die Hardware ist vom Input unabhängig. Das erklärt auch, warum manche Menschen Farben hören können oder Musik sehen. Obwohl aus der Innenperspektive Hören und Sehen sich komplett anders darstellen, ist diese Unterschiedlichkeit eine erlernte Illusion.

Eines der Schwerpunktthemen meines Studiums war 'Computer Vision', also die Frage wie man Computern das Verstehen eines Bildes/einer Serie von Bildern beibringen kann. Was dem Alltagsbewußtsein so mühelos zu gelingen erscheint, ist ein außergewöhnlich schwieriger, komplexer, mehrstufiger und vor allem fehleranfälliger Prozeß. Kontrastveränderungen definieren Kanten, Kanten definieren Formen, Farben definieren Muster, Mustererkennung, Formerkennung, perspektivische Verzerrungen, Überlappungen und Verdeckungen von Formen, und und und .... allein der Prozess des Wiedererkennens eines Objekts unter einer anderen Beleuchtungssituation ist schwierig.

Die Ansätze und Methoden, die sich dafür in den letzten 20-30 Jahren als mehr oder minder optimal etabliert haben, finden sich auch in unserer Hardware wieder. Da werden genauso Kontraste analysiert, um Kanten und Formen vom Hintergrund loszulösen. Aufbauend auf seine Erinnerungen stellt das Gehirn dann Hypothesen an, was es sieht und versucht diese Hypothesen zu überprüfen.

Wenn man in die Wolken sieht, nimmt man erst nur weiße und blaue Farben wahr. Langsam differenziert man einzelne Formen, ein Gesicht erscheint vor dem geistigen Auge oder ein Tier oder anderes. Sobald man etwas zu erkennen glaubt, wird das geistige Bild lebendiger, erhält Details aus der Erinnerung. Je weniger man sich dabei anstrengt zu erkennen, um so deutlicher kann der unbewußte Konstruktionsprozeß wahrgenommenen werden.

Als die Aborigines die ersten Schiffe sahen, sahen sie seltsame Schwärme fliegender Fische. Wir sehen, was wir glauben zu sehen, d.h. wir sehen unsere Hypothesen, die sich auf unsere Erinnerungen stützen. Ist eine Hypothese nicht mehr haltbar, wird sie durch die nächste, besser passendere Hypothese ersetzt.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Betrachtungen des Körpers.

Fast alle Elementarteilchen, aus denen die Atome meines Körpers bestehen, sind 14 Millarden Jahre alt.

Alle höheren, chemischen Elemente entstehen durch Kernverschmelzung im Inneren eines Sterns bzw. während seiner Supernova-Phase. Abgesehen von Wasserstoffatomen besteht mein Körper aus "Sternenstaub".

Keine lebende Zelle in menem Körper ist älter als 7 Jahre. Bis zu meinem Tod ist jeder Teil von mir schon unzählige Male gestorben und aus sich selbst wiedergeboren worden.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes

Aufgeschlagen, ausgelesen.

Versucht alle, die kritisierende, urteilende Instanz auszuschalten und den Prozeß zu erleben, ohne ihn zu früh analysieren zu wollen.

Doch was passiert, wenn diese innere Kontrollinstanz ausgeschalten bleibt?

Das Buch ist quasi die Antwort auf meine Frage, warum in allen spirituellen Traditionen so viel Wert auf die Entwicklung von Altruismus gelegt wird.