Donnerstag, 30. April 2009

Verfügbarkeitsheuristik.

Heuristiken sind Strategien ("Faustregeln"), die die Beurteilung von Sachverhalten erleichtern und beschleunigen sollen. Unter einer Verfügbarkeitsheuristik versteht man jene Strategie, Informationen an Hand ihrer Verfügbarkeit für eine Entscheidung heranzuziehen. Präzisere Informationen sind im Regelfall schwerer verfügbar und werden daher seltener als Entscheidungshilfe herangezogen.

verwandte Themen: Vorurteile, Schlagzeilengläubigkeit, Aberglauben, Gerüchte etc.pp.

Mittwoch, 29. April 2009

Fragen über Fragen.

Vogelgrippe, Schweinegrippe - schön langsam keimt der Verdacht auf, daß das alljährlich wiederkehrende Pandemie-Getös auch bloß rüde Geldmacherei ist. Gestern waren es noch 100 Todesopfer, heute sind es nur mehr 7. Gibt es am amerikanischen Kontinent so etwas wie eine Pisa-Studie? Wenn ja: wie schnitt Mexiko dabei ab? Wer verkündet und wer prüft solche Zahlen? Vermehren sich Zahlen in Medien von selbst?

Der Krankheitsverlauf der Schweinegrippe ist nun also auch nicht viel anderes als bei einer "normalen" saisonalen Grippe, die Jahr für Jahr weltweit Tausende hinwegrafft. Der kleine Junge, von dem angeblich die "Pandemie" ausging, grinst irgendwo auf einem Hinterhof fröhlich in die Kamera. Das Getös und die Panikmache in den Medien geht weiter. Die Pharmakonzerne, Mundschutzhersteller und Medieninhaber freut's. Die Innenminister ebenso. Endlich mal etwas, was das Volk von seiner aufkeimenden sozialen und wirtschaftlichen Unzufriedenheit ablenkt.

Gleich nach den Nachrichten trällert Louis Armstrong "what a wonderful world". Wie recht er doch hat, sagt mein Freund Harvey.

Apropos.

Und wo ich gerade bei Gutmütigkeit bin: Jo fand nun ein ganzes Jahr lang keine Zeit für ein egal wie kleines, gemeinsames Projekt. Da schwärmt er mir über fünf Jahre die Ohren voll, wie toll es nicht wäre und das man doch umbedingt etwas zu einer Opensource-Community beitragen müsse und dann? Das er es nicht neben einem Fulltime-Job macht, okay, so viel Idealismus bringen nur ganz wenige auf, aber das er auch nur einer der "üblichen Maulhelden" ist, will mir nicht in den Kopf.

Noch weniger will mir in den Kopf, daß ich mich nach wie vor von Menschen so blenden lasse. Soll doch jeder machen wie und was er will, aber warum fast pausenlos von etwas schwärmen (ganz ernsthaft und voller Überzeugung) und dann nicht mal die kleinsten Schritte tun? Diese Art - sich selbst und auch allen anderen etwas vorzumachen - ist mir unbegreiflich.

Ein längeres Gespräch mit Frau G. zeigt noch ganz andere Seiten von ihm auf. Sie arbeitet Fulltime, macht den ganzen Haushalt, trägt die Hauptlast bei den gerade notwendigen Renovierungsarbeiten in ihrer Wohnung. Nie käme er auf die Idee in der Zeit, in der sie außer Haus ist, auch nur einen Handgriff zu tun. Wenn sie da ist, drückt er sich, wo er kann.

Jetzt, im Nachhinein, bestätigt sich mein schlechtes Baugefühl bezüglich gemeinsamer Firma. Es wäre ein Disaster geworden.

Erlösung.

Erlösung setzt den Sündenfall voraus.

Mein Sündenfall heißt Gutmütigkeit. Nach drei Tagen einseitigem SMS/Mail/Telefon- und Kommentar-Terror, zu dem ich weder Anlaß noch Beitrag geleistet habe, ziehe ich den endgültigen Schlußstrich. Wie kann man nur alles und jeden derartig in den Schmutz ziehen? Jede nette Geste verwandelt sich in ihrem Kopf in Dreck. Die Einblicke in ihr Denken - ihre maßlose Überschätzung der eigenen Grandiosität - sind gleichzeitig er- und abschreckend wie auch bemitleidenswert.

Es fühlt sich nach Erlösung an, als würde ich aus einer Wolke negativer Energien wieder in die Sonne hinaustreten. Vielleicht liebe ich das Leben noch nicht so wie ich es lieben sollte, aber eins weiß ich: diese Form von emotionalem Streß ist völlig unnötig, lächerlich, Zeit- und Energieverschwendung. Es gibt keinerlei Grund sich dem auszusetzen, auch wenn man es noch so gut mit dem anderen meint.

Künstlich Probleme schaffen, wo keine sind; einen anderen gegen seinen Willen zu einem bestimmten Handeln zwingen wollen - danke, nein.

Obwohl die Bilder der letzten drei Tage schon vor knapp zwei Wochen entstanden sind, passen sie wie die Faust auf's Auge (oder weniger "fein": wie der Arsch auf's Leintuch). Der tote Schmetterling ist ein würdiger Abschluß. Wiederbelebung zwecklos.

Montag, 27. April 2009

Querbeet.

Der Mensch ist das einzige (bekannte) Wesen, das lachen kann.

Ein Tag und eine Nacht im unruhigen Halbschlaf hat die Grippeviren besiegt. Heute ist nichts mehr davon zu spüren, nur der Kopf ist noch voll mit der Erinnerung an unwahrscheinlich viele, seltsame Träume.

Das Verhältnis zu E. beginnt langsam wieder mich Schritt für Schritt zu belasten. Sie steckt voller bösartiger Gedanken, kritisiert unablässig andere Menschen (was ich noch nie austehen konnte) und rechtfertigt es, wenn ich sie darauf anspreche, es zumindest in meiner Gegenwart zu unterlassen, indem sie ihr eigenes Verhalten auf alle anderen projiziert. Es liegt nicht in meiner Natur nur Liebhaber zu sein, doch noch weniger ertrage ich diese oberflächlichen Tiraden, dieses Abqualifizieren von Menschen, nur weil sie eben ein wenig anders sind als andere. Bei Menschen wie ihr bleibt immer das schlechte Bauchgefühl zurück, daß sie genauso über einen selbst reden und urteilen, wenn man außer Hörweite ist. Bei nichts, was sie sagt, kann man sich sicher sein, daß sie es auch so meint, so darüber denkt. Dieses Gefühl schließt jede weitere Annäherung aus. Ich will ihr Gift nicht in meinem Kopf, geschweige denn in meinem Herzen. Ich will solche unechten Menschen nicht in meinem Leben.

Herrgott - ich vermisse die Liebe, vermisse einen Menschen, den ich durch und durch lieben kann.

Samstag, 25. April 2009

Kindergeburtstag.

Jetzt im Nachhinein bin ich überrascht wie sehr ich den heutigen Tag mit meinen Eltern und der Familie meiner Schwester genossen haben. Yara, die Kleinste meiner Schwester, sucht ständig meine Nähe, fällt mir um den Hals, brabbelt in ihrer noch unverständlichen Babysprache begeistert vor sich hin, zeigt mir ihre kleine Welt. Ich habe die Kleine selten so viel lachen gesehen wie heute. Für ihr Alter ist sie sonst viel zu ernsthaft, beobachtet alles still mit großen traurigen Augen. Sie lachen zu sehen - dieses helle, unschuldige Kinderlachen - ist wunderbar.

Jon Krakauer: In die Wildnis

Jon Krakauer beschreibt in diesem Buch das Leben und Sterben von Christopher McCandless, einem jungen Abenteurer, der sich im Jahr 1992 in die Wildnis Alaskas aufmachte, wo er nach einigen Monaten, in denen er sich nur von dem, was die Natur her gab, ernährt hatte, schließlich den Hungertod fand.

Während des Lesens fühle ich mich ständig an mein eigenes Leben erinnert. Damals, Anfang der Neunziger war ich kurz davor einen ähnlichen Weg einzuschlagen, doch ich war nicht konsequent genug. So tragisch seine Geschichte auch endet (schlußendlich war es sein jugendlicher Leichtsinn, der ihm das Leben kostete) - ich denke, Chris fand da draußen genau das, was er suchte.