Posts mit dem Label Persönliches werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Persönliches werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 26. Juli 2010

Resümee / The End.

This is the end
Beautiful friend
This is the end
My only friend, the end

- Doors / the End
Vom ersten Moment - der befruchteten Eizelle - an, entwickelt sich menschliches Leben als eng ineinanderverflochtenes Gesamtpaket aus Veranlagung und Umgebung. Die Umgebung unserer Kindheit prägt uns nicht nur, sie genauso Ausprägung unserer Veranlagung.

Liegt mein geringes Bedürfnis an menschlicher Nähe, z.B. an der fehlenden Nestwärme in meiner Kindheit? Wäre ich in einer anderen Familie anders geworden? Aus der Perspektive von Heute, nach gut einem halben Dutzend mehrjähriger Beziehungen und mindestens gleichviel völlig unterschiedlicher Leben, bezweifle ich das.

Was sich da aber von Anfang an immer wiederholt, ist das Drama vom hochbegabten Kind, das fast zwanghaft geistige Beschäftigung braucht.

Aus meiner Innenperspektive fühle ich mich nicht intelligenter oder besser als andere. Ich langweile mich bloß mit Menschen, die keinerlei Tiefgang haben und/oder in Oberflächlichkeiten leben und denken. Besitz, Geld, Prestige, Machtstreben sind mir zuwider. Routine, bei der der Kopf abschalten kann, ist schrecklich. In der Mittelschule hatte ich über fünf Jahre einen Notenschnitt von ~1,5 und gleichzeitig die meisten Fehlstunden der gesamten Schule (~1200 Schüler). An der Uni war ich nur zu den Prüfungen und den Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht (gabs damals kaum). Die allerletzte Prüfung machte ich erst nach langjähriger Pause, da ich mich nicht für die notwendigen bürokratischen Rennereien motivieren konnte und mir Titel so oder so egal sind.

In fast allen Aspekten ist es wirklich ein sehr, sehr seltsames Leben, auf das ich da zurückblicken kann, denn von Anfang an hat mich fast ausschließlich leidenschaftliche Neugier auf alles Wissenswerte durch die Welt getrieben.

Es ist kein Wunder, das ich Informatiker wurde. Es ist auch kein Wunder, das ich in einer Entwicklungsabteilung gelandet bin und dort fast zehn Jahre als Systemarchitekt arbeitete. Das mit zwei anderen entwickelte Framework dient auch heute noch als Basis für die Projektabwicklung des 500-Mann-Unternehmens. Den Job schmiß ich hin, weil Bürokratismen irgendwann das konstruktive Arbeiten unmöglich machten bzw. genug für eine mittellange Auszeit am Konto lag.

Nach meinem Abgang vor über zwei Jahren hat sich die Entwicklungsabteilung komplett aufgelöst. Die Projektkosten schießen durch die Decke, da jedes fehlende/neue Stück Software nun jedes Mal neu geschrieben wird (keinerlei Wiederverwertung). Tja. Auch davor hatte ich mehr als deutlich gewarnt. Wer gern Millionenbeträge verschwendet, soll ruhig.

Jetzt, wo nichts und niemand mehr an mir zerrt und ich die 24h jedes Tages zur Verfügung habe, finde ich mich glücklich und zufrieden in einem kargen Einsiedlerleben wieder, das ganz und gar von geistiger Arbeit bestimmt ist. Was nicht notwendig ist, habe ich entfernt und entferne ich noch (okay - das mit den Zigaretten und das mit dem Fleisch klappt noch nicht ganz).

Wohin mich mein jetziges Leben führt, weiß ich nicht, aber das ist auch nicht wichtig, denn mein Leben lebt sich endlich wieder ganz von aus sich selbst heraus. Egal, was ich mache, ich mache es mit 100% Leidenschaft und Fokus. Nichts zerrt mich mehr aus dem Hyperfokus, der sich teilweise über Tage aufrecht erhalten läßt und wo es keine Zeit, kein Ich, keine Umwelt mehr gibt, wo alles ganz leicht fällt und faktisch von allein passiert. Aufgehen in dem, was man tut. Gibt es etwas Schöneres? Selbstvergessenheit at work.

Wenn mich wer nach meinem Job fragt: ich bin mein privates Forschungs- und Entwicklungszentrum. Was dabei rauskommt, ist egal. Hauptsache der Weg ist schön. Um den schnöden Mammon kümmere ich mich, wenn's mal wieder notwendig ist.

Bei der Lebensweise reicht das angesparte Geld noch immer für die nächsten zehn Jahre. Es hat zwar etwas gedauert, Gedanken wie "denk an die Zukunft, sei vernünftig, wie die Restfinanzierung sicherstellen" selbst aus mir rauszuprügeln, aber nun klappt das auch wieder ganz gut. Glücklich sein. Um nichts anderes geht's in diesem Affentheater.

Und sollte ich dann doch irgendwann mal ein Sozialfall werden, brauche ich mich ausgehend von meinem jetzigen Lebenstil nicht umgewöhnen, denn mehr Geld als es an Sozialhilfe gäbe, gebe ich auch heute nicht aus (nicht aus Geiz, es würde nur nichts an meiner Zufriedenheit ändern). Sich was gönnen, funktioniert auch mit den winzigsten Kleinigkeiten, wenn man vorher darauf verzichtet.

Getrieben von ein und derselben Leidenschaft möglichst alles mit 100% Fokussierung zu tun: arbeiten, Menschen (ganz, ganz wenige und selten) begegnen, egal was. Sex? Besser nicht fragen, Sie würden nur neidisch.

Wenn die Aufmerksamkeit völlig auf ein Tun oder ein Gegenüber gerichtet ist, verschwindet jegliches Ich ganz automatisch. Das ist wie im Kino oder bei einem Buch. Wenn es so richtig spannend ist, zwicken keine Sorgen, keine Probleme. Kein was habe ich, was tue ich, was fehlt mir und und und ... 100% da in der persönlichen Gegenwart (dem aktuellen Tun, Erleben).

Es hat eine Weile gedauert (die letzten zwei Jahre und die vierzig Jahre davor), um zu verstehen und um viel von dem Plunder in meinem Kopf, die tradierten Vorstellungen und anderen Müll, loszuwerden. Der rote Faden tritt mittlerweile so deutlich in jedem erinnerten Szenario hervor, das ich mich für den Dümmsten aller Menschen halte.

Geschenk oder Bürde? Es ist beides. Zeitlebens habe ich mich damit herumgequält, mehr Nähe zu leben als ich konnte. Ich wollte das Familiäre, das Tag für Tag mit anderen. Zig Male habe ich es versucht. Zig Male bin ich gescheitert. Einzig Fernbeziehungen, in denen sich zwei Leben kaum berühren, liefen gut. Ich war blind. Einfach nur blind. Mein Wunsch einfach so wie alle anderen zu sein, war so groß, das mir keinen Moment die Idee kam, ich wäre für das Scheitern der Beziehungen verantwortlich. Teilschuld, ja, klar, aber eigentlich Opfer der Umstände. Blind, einfach nur blind.

Das eigentliche Geschenk ist der gratis Selbstlos-Modus. Da, wo sich andere richtig quälen müssen, um ihr (fiktives) Ich nur kurz loszuwerden, kann ich mich faktisch für fast alles so faszinieren, das nichts anderes mehr wichtig ist. Schnips und das Ich ist weg. Ist der Körper hungrig, läuft er schon von ganz allein zum Kühlschrank. Sind nur gesunde Sachen drin, isst er sang- und klanglos auch diese. Ist er müde, schläft er eben. Der letzte Gedanke am "Abend", wird am "Morgen" fertiggedacht. Wie weit sich das mit der Konzentration zeitmäßig ausdehnen läßt, ist außerordentlich erstaunlich. Ohne Probleme sind im Nu fünf Tage durch und es wird Zeit für konzentrierte Zweisamkeit am Wochenende inklusive kleiner und großer leiblicher Genüsse. Bei dieser Hitze ist es z.B. herrlich gemeinsam unter den Sternen auf der Dachterasse einzuschlafen.

Die Frage, ob ich glücklich bin, stellt sich unter der Woche erst gar nicht, denn welches Ich sollte diese Frage stellen? Wer ganz mit dem verschmilzt, was er tut, stellt keine ICH-Fragen mehr. Zufrieden und glücklich und auch erholt (trotz hoher Leistung) wache ich am Ende der Woche in ein ganz anderes Leben auf. Da ist sie und nur sie und meine Aufmerksamkeit ist zu 100% bei ihr mit der Grundintention, die bestmöglichste, gemeinsame Zeit zu verbringen, mein inneres Glück und meine Zufriedenheit auf sie auszuweiten, ihr von meinem Glück abzugeben.

Warum gerade sie? Diese Frage hat mich immens lange beschäftigt, denn sie vereinigt in einer Person, was ich an Frauen liebe und was ich an ihnen bzw. generell an Menschen hasse (alle möglichen Ausprägungen des Egoismus bis hin zur Geltungssucht). Als Beziehung ist es seit grob drei Jahren eine Gratwanderung am Limit meiner Geduld, denn die Bösartigkeit ihrer Hausfrauen-Paranoia kennt kaum Grenzen. Als Mensch ist sie meine bisher größte Herausforderung.

Wie war das?

Die sind nicht verrückt. Das sind bloß Frauen.

Wenn ich mit den negativen Eigenschaften, die sie geradewegs wie eine Linse bündelt, umgehen kann, spätestens dann habe ich wohl den höchsten Grad an Selbstdisziplinierung erreicht ;)

Ihre Sturheit zu verstehen, das sie glücklich ist, ist enorm. Sie spürt es zwar, sagt es auch, inszeniert dann aber doch wieder Drama um Drama wegen völliger Hirngespinste. Was sich Menschen, überhaupt Frauen, so alles zusammendenken können, ist wirklich unglaublich. Und am Schlimmsten sind die, die glauben, sie seien klug und besonders empathisch und würden alle Menschen durchschauen (obwohl es eigentlich umgekehrt ist). Nur blöd, wenn es da mal nichts zu durchschauen gibt.

Würde nicht aus dem Rest der Woche und den langen Hyperfokus-Phasen soviel Kraft entstehen, wäre ich wohl schon längst an ihr gescheitert. Doch so sammle ich fleißig Plussternchen für meine Karma-Konto. Braucht ja jeder seine Pfadfinder-Aufgabe.

----------------------------------------------------------

Ich denke, dieser Blog hier hat nun endlich ausgedient. Spiel, Satz und Sieg. Godot, von dessen Nichtexistenz mittlerweile die ganze Welt überzeugt war, kam schließlich doch noch, sah sich im menschenleeren Raum um, pfiff 'The End' von den Doors und drehte das Licht ab.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Fundstück.

Das erstaunlichste Fundstück von Heute war ein stilles Mineralwasser für Euro 7,99 aus England. IMHO sind schon Preise im Euro-Bereich für die Flasche Wasser völlig überzogen, da es faktisch keinerlei nennenswerte Produktkosten gibt (bzw. Quellen sich auch für gewöhnlich nicht erschöpfen). Im Gegenzug zu Wasser sind die Produktionskosten von Energy-Drinks geradezu immens und trotzdem läßt sich selbst mit Energy-Drinks in wenigen Jahren ein Weltkonzern bauen, der faktisch Geld druckt, was an sich schon wirtschaftliches Wunder ist (siehe: Red Bull).

Den Menschen Wasser für knapp 8.- Euro anzudrehen, hätte ich eigentlich nur der katholischen Kirche zugetraut. Man lernt nie aus ...

Fundort war übrigens ein ganz gewöhnliches Supermarktregal.

Über Hühner und Eier.

Wer die eigene Vergangenheit nach Ursachen und Wirkungen durchforschen will, steht grundsätzlich vor einem Huhn-Ei-Problem: was ist 'nur' erlernt und nachgeahmt (also Umgebungseinfluss), was ist Teil des eigenen Wesens, d.h. die eigenen freien Entscheidungen?

Je deutlicher mir das Wesen der Zeit meiner Kindheit ist (1968-1983), je deutlicher ich das individuelle Schicksal meiner Eltern aus deren Perspektive nacherleben und nacherfühlen kann, um so deutlicher sehe ich die Spuren meiner Kindheit und die Spuren ihrer eigenen Leben in meinem eigenen.

Eins der emotionalen Grundresümees meiner Kindheit lautete: wenn ich tagtägliche Nähe nicht über einen längeren Zeitraum leben kann, werde ich nicht Vater. Dieses Grundresümee gründet sich sowohl auf die eigene Perspektive (das Vermissen des Vaters bzw. der Nähe zu ihm) wie auch der tagtäglichen Indoktrination meiner Mutter, die gerne und lautstark ihrer 'vereinsamte Hausfrau'-Paranoia nachgab und selbst für ein Kind offensichtlich die Wirklichkeit extrem verzerrte. Anstatt das Ungeheuer zu sein als das sie ihn in ihren einsamen Schimpftiraden darstellte, war mir schon als Kind bewußt, das 'das mit Nähe' einfach nicht seins war. Wann immer er konnte entzog er sich, arbeitete lieber am Haus oder in den Wäldern. Im Gegensatz zu meiner Mutter habe ich ihn meist als den friedfertigsten Menschen erlebt (gerade im Umgang mit ihr und ihrem Gezetter).

Heute, nach vielen, zum Teil schlimmen Jahrzehnten der Ehe scheint meine Mutter ihn endlich "lassen" zu können. Teilweise ist es geradezu rührend anzusehen, wie sehr sie dem idealen Großelternpaar entsprechen, das mal einzeln, mal zu zweit, aber fast in allem einstimmig auftritt und nicht minder erstaunlich ist es, wie leicht und geschickt sie die unbändigbar erscheinenden Prinzesschen meiner Schwester in nette, kleine Mädchen verwandeln können. Was jedoch auch auffällt: das wirklichkeitsverzerrende Gezetter ist noch nicht ganz verschwunden.

Trotzdem: die Engelsgeduld meines Vaters konnte ich selbst nie aufbringen. Mögen es die Umstände meiner frühen Sozialisierung sein, mag es Intelligenz, die sich Bahn bricht, sein - im Grunde ist es völlig egal, warum uns etwas umtreibt. Wichtig ist nur, das es als Bedürfnis real und nicht eingebildet vorhanden ist.

Als Faktum bleibt die Erkenntnis, das mein Bedürfnis nach Nähe und nach menschlichen Interaktionen gering ist. Sobald eine Beziehung tagtägliche Aufmerksamkeit fordert, scheitere ich nach einer gewissen Zeit (und seien es Jahre), weil es mir nicht mehr gelingt in 'Arbeitstrance' (Hyperfokussierung auf ein Thema) zu gelangen und ich in Routinen zu ertrinken scheine. So schnell gemeinsame Rituale entstehen, so schnell werden sie auch hohl, werden sie mir zu Last, bildet sich der Eindruck einer Pflicht. Gut gemeint ist wirklich alles andere als gut - und gut gemeint habe ich es immer, habe auf die unterschiedlichsten Arten das eine oder andere zu leben versucht und bin doch schlußendlich damit gescheitert. Nach zig Anläufen entkräftet sich jedes Argument Richtung Zufall durch simple Wahrscheinlichkeit: genauso wahrscheinlich ist eine Serie an Lotterietreffern.

Im Grunde will ich jeden Moment mit voller Leidenschaft leben. Weder denke ich in Kategorien wie Arbeit und Freizeit oder in Tagesrhythmen wie Frühstück/Mittag/Abendessen. Alles Äußere bleibt solange Zwang und Pflicht, solange ich mich nicht zu 100% (auch über Tage) fokussieren darf.

Das Beste geben. Jeden einzelnen Moment. Und das aber völlig zwanglos, weil es sowieso aus einem hervorquillt und nicht zurückzuhalten ist und weil es vor allem einzig der Freiheit über die eigene Aufmerksamkeit bedarf.

Momentan erlebe ich mich am Gipfel meiner persönlichen Freiheit bezüglich meiner eigenen Aufmerksamkeit. Tage-, Wochen- und Monate kann ich mich ausschließlich auf einzelne Themen konzentrieren, darf mein eigenes Forschungszentrum sein, OHNE den fast zwangläufigen Preis der Beziehungslosigkeit zu bezahlen. Je mehr sie mich genau so sein läßt, umso intensiver und leidenschaftlicher wird unsere gemeinsame Zeit an den Wochenenden.

Die eigene Wohnung, die alleinige Zuständigkeit für deren Zustand und alle anderen Aspekte des tagtäglichen Lebens, ist für mich ein absolutes Muß. Weder ist eine gemeinsame Wohnung ein erstrebenswertes Ziel, noch zwei Wohnung, die eigentlich eine einzelne Wohnung an verschiedenen Orten ist. Ich muß es selbst spüren, wenn z.B. der Kühlschrank leer bleibt, weil ich unter der Woche die paar Minuten Einkaufen nicht erübrigen will. Ich mag den Selbstdisziplinierungseffekt. Ich mag es, Schritt für Schritt immer mehr Unwesentliches aus dem Alltag zu entfernen. Was nicht zufrieden und glücklich macht, was nur Ausprägung eines Suchtverhaltens ist, fliegt raus.

Manchmal erscheint mir meine Vergangenheit als fast wahllos zusammengewürfelte Serie verschiedenster Leben. Das einzig Gemeinsame scheint nur deren Unterschiedlichkeit zu sein. Aussehen und Wesen der jeweiligen Partnerin variiert über das gesamte Spektrum, die Form der Partnerschaft genau so. Anstatt das sich langsam ein konkretes Leben zu konstituiert, das gelebt werden will, herrscht geradezu völliges Chaos.

Schluß damit. Wenn mein Verstand schon ständig in geistigen Welten abtauchen will und teilweise innerhalb von wenigen Wochen und Monaten ganze Studienrichtungen durchackert, dann soll er. Oft genug habe ich mich dagegen entschieden und anderes versucht - aus Liebe, aus Verständnis oder aus mißverstandener Pflicht. Glücklich bin ich dabei nie geworden. Ganz im Gegenteil. Was uns glücklich macht, läßt sich nicht erzwingen.

Was jedoch aus meiner Perspektive ein gleichmäßiger, ununterbrochener Fluß ein und derselben Leidenschaft, die sich in den verschiedensten Aspekten des Lebens ausdrückt, ist , stellt sich aus ihrer Perspektive (der eines Familienmenschen) als schwerwiegendes Nähe-Distanz-Problem dar.

Montag, 10. Mai 2010

Wenn Blondinenwitze wahr werden.

Es gibt zwei Optionen: ich kann mich ärgern oder ich kann staunen, den Kopf schütteln und nicht weiter darauf eingehen. Nach dem ich das mit dem Ärgern in endlosen Variationen durchexerziert habe und es stets nur zu weiterem Ärger geführt hat, beschränke ich mich ab jetzt auf die magenschonende, zweite Option.

Dienstag, 13. April 2010

Pfeifenbau.

Auf der Suche für ein handwerkliches Projekt im Sommer bin ich über die Herstellung von Pfeifen gestolpert. Hier in G. habe ich zwar keine Werkstatt zur Verfügung, aber die Werkstatt im Hotel Mama ist - gerade für Holzbearbeitung - vollständig ausgerüstet (inklusive Dreh- und Ständerbohrmaschine), d.h. prinzipiell steht nichts im Weg.

Kirschholz sollte mein Vater besorgen können (viel braucht man ja nicht für ein paar Pfeifenköpfe), eine Quelle für Mundstückrohlinge findet sich sicher irgendwo in den Weiten des Internets. Apropos Vater: als ehemaliger Pfeifenraucher wird er von dieser Projektidee begeistert sein. Mam allerdings weniger - viel, viel weniger. Vielleicht sollten wir daraus ein Vater-Sohn-Geheimprojekt machen ...

Dienstag, 23. März 2010

Der letzte Schritt.

Nun habe ich auch dieses letzte, offene Kapitel meines alten Lebens abgeschlossen. Das Antwortschreiben klingt schal - große Reputation bla bla bla ... überleg's Dir nochmal ... keine Ahnung, was ich erwartet habe, aber mit 22 Jahren war es das bisher längste Kapitel in meinem Leben und es war auch so etwas wie eine zweite Familie. Das es nun so sang- und klanglos ohne weiteren persönlichen Kontakt endet, birgt etwas Trauriges, zeigt aber auch wie richtig die Entscheidung war.

Der Frühling setzt langsam ein und der Gedanke, ein paar Wochen mit Schlafsack und minimalem Gepäck auf einer der Almen rund um's Hotel Mama zu verbringen, lockt immer mehr.

Zarathustra läßt grüßen.

Freitag, 19. März 2010

Bilanzieren.

Vor zwei Jahren stand ich am Abgrund. Obwohl ich mich abmühte, entglitt mir mein Leben in jeglicher Hinsicht und wurde zu etwas, was ich so nie führen wollte, etwas unsäglich Mühseliges, ein ständiges Anrennen gegen unüberwindbare Wände. Alkoholexzesse, Tabletten, 100 Zigaretten am Tag - ich griff nach jedem Strohhalm, der mich irgendwie genug betäubte, um am nächsten Morgen doch wieder weiter zu machen und nicht den letzten Schritt zu gehen.

Wenn das Leben so wird, läuft etwas grundsätzlich falsch. Egal welche Illusionen oder Ideale man im Kopf hat, welche 'man sollte', 'man muß' oder 'man will': jedes Leben ist sein eigener Fluß gegen den man auf Dauer nicht anschwimmen kann. Man kann sich anstrengen so sehr man will, kann den Fluß mal ein Stück weit zurückschwimmen oder queren, um in einen anderen Seitenarm zu gelangen, aber schlußendlich muß man sich dem Fließen des Stroms übergeben oder man ertrinkt.

Manche nennen diesen Strom Schicksal, andere den eigenen Lebensweg gehen. Ich weiß zwar nicht, ob dieser Fluß schon von vornherein kartiert ist - wahrscheinlich nicht - (und mit dem Verstand läßt er sich auch nicht greifen), aber eins weiß ich: wenn es gelingt, sich in das Fließen einzuordnen, fällt alles ganz leicht. Sorgen, Bedenken, Ärger - all das verschwindet. Da ist kein 'ich will' mehr. Was getan werden muß, wird getan. Was passiert, passiert und es ist in Ordnung, völlig in Ordnung.

Heute lebe ich von dem, was ich früher nur für Zigaretten ausgegeben habe (~300 Euro). Nicht, weil es notwendig wäre, sondern weil einfach kein Bedürfnis nach all dem Schnickschnack mehr da ist. Selbst Bücher kaufe ich kaum noch, sondern lese lieber ein paar der Klassiker, die sowieso schon seit Jahrzehnten in meinen Regalen stehen. Filme und Fachliteratur liefert der (geteilte) Breitbandanschluß gratis und werbungsfrei für 10 Euro im Monat. Die Ernährung ist auf fast fleisch- und fettfrei umgestellt. Ich rauche zwar noch, aber komme kaum über 10 Zigaretten am Tag.

Das Glück liegt am Ende des Wollens. Und 'ja', heute, zwei Jahre später, bin ich glücklich. Die Stimmung pendelt zwar noch hin und wieder, aber da ist eine große, weite Gelassenheit, die alles anfüllt. Ich genieße die Einsamkeit, ich genieße die Stunden der Intimität mit E. und wenn es nach mir geht, kann es für den Rest meines Lebens so weiter gehen. Da ist nichts, was ich will, nichts, dem ich hinterher laufen würde. Da ist aber auch nichts, dem ich ausweiche, vor dem ich zu fliehen versuche. Ich bin und das reicht.

Dienstag, 2. März 2010

Genügsamkeit.

Es ist erstaunlich wie weit meine Genügsamkeit mittlerweile reicht. Es gibt kaum mehr etwas, an dem ich wirklich hänge oder für das Disziplin nötig wäre, um darauf zu verzichten. Ja, genaugenommen ist sogar das Wort "Verzicht" völlig unangebracht. Das Leben ist viel einfacher und schöner so, ohne jegliches Wollen, Wünschen oder Müssen, ohne den kleinen und großen Belohnungen, Ablenkungen, Zerstreuungen, ohne der Notwendigkeit nach Bestätigung in egal welcher Form.

Nur den Zigaretten habe ich noch nicht abgeschworen. Ich habe es versucht, tageweise, sogar 72 Stunden am Stück, doch ohne das Nikotin nehmen die ADHS-Symptome stark zu. Die Gedanken springen zu rasch kreuz und quer und es fällt mir ausgesprochen schwer, mich dann auch nur für 15 Minuten auf eine Sache zu konzentrieren. Wenn mein Hirn diese Form von Stimulanzien braucht, um so zu funktionieren wie ich will, dann muß ich das wohl nach eine Weile so akzeptieren. Egal - es gibt Schlimmeres.

Und täglich eine gute Tat.

Heute: als Geburtstagsgeschenk fast eine Stunde mit meiner Mutter telefoniert.

Samstag, 20. Februar 2010

Zölibatspause.

Es bringt zwar sicher wieder Ärger mit sich, aber für diese Nacht vergesse ich mal das Marleysche (no woman no cry) Vernünftigsein.

Montag, 8. Februar 2010

Wundern war gestern.

Heute wundere ich mich nicht mehr darüber, warum ich mich gleichzeitig wie ein Fels in der Brandung und wie ein Blatt im Wind fühlen kann.

Ist halt so. Who cares?

Der Punkt ist: diese Bandbreite ist nun mal vorhanden. Wenn ich mich selbst nicht als koherente Einheit, sondern als eine Art demokratisches Gruppenbewußtsein begreife, wurden eben schlecht miteinander harmonierende Teile zu (m)einem Ganzen verschraubt.

Eben. Ist halt so.

Dienstag, 19. Januar 2010

Ich und die Anderen.

Die Sätze zerbrechen unter meinen Fingerkuppen. Ich habe aufgehört mich zu fragen, warum das so ist. Vielleicht sind es die Redundanzen, die Wiederholungen in den Gedankengängen, die mich ankotzen, vielleicht mag der eine oder andere Satz nur nicht hier ins grelle Licht gezerrt werden, vielleicht mag ich das Bild der Buchstaben in diesem weißen Feld nicht - wer weiß.


Der Mensch neigt dazu, die Dinge zu vereinfachen.


Je weiter die Gehirnforschung vordringt, umso rätselhafter, ja, geradezu mysteriöser wird es. Wie kann aus diesem Multiversum paralleler, autonomer, interagierender Systeme überhaupt so etwas wie ein Ich-Bewußtsein entstehen? Da ist kein zentraler Agent, der an den Hebeln sitzt und der von sich als dem "Ich" sprechen könnte. Genaugenommen müßten wir jeden Gedanken im Plural formulieren (gerade getan ;).

Lehnt man esoterische, nicht überprüfbare Konzepte ab, so bleibt nur der Schluß, das das Ich eine Illusion ist (was die Schlitzaugen seit Jahrtausenden behaupten). Dieser Schluß hat weitreichende Konsequenzen auf die Art und Weise wie man Entscheidungen trifft bzw. treffen sollte.

Rationales, logisches Denken darf sich nie zum alleinigen Herrscher im Reich der Gedanken aufschwingen. Rational, logisches Denken ist "nur" eine Art Taschenrechner, ein Hilfsmittel, um bestimmte Probleme/Problemgruppen zu lösen. In vielen Fällen steht es dem Leben selbst im Weg (ist der Taschenrechner ständig "on", wird das Leben mühselig).

Das Leben lebt sich von ganz allein, wenn das Ich nicht im Weg steht. Lachen findet sich unter den widrigsten Umständen. Glück lebt in den seltsamsten Nischen.

Je mehr und je länger ich im Fluß lebe, um so zufriedener bin ich. Nicht ich tue etwas, sondern etwas tut sich von selbst. Da ist kein Ich-Gedanke. Nicht ich lerne, sondern ein Thema wächst vor meinen Augen, wächst, verästelt sich, durchdringt andere Themen. Alles ist Ausdruck ein und desselben Lebens. Da ist keine Grenze.

Ich habe mich damit arrangiert wie ich bin. Ja, da gibt es einiges, was ich "vernünftigerweise" anders machen sollte, aber was soll's? Entweder ich renne immer wieder gegen diese inneren Widerstände an oder ich akzeptiere sie und lebe an ihnen "vorbei". Selbst ein Fluß - strunzdumm wie eine Kartoffel - findet immer seinen Weg.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Alternativprogramm / II.

Damit die verregneten Tage nicht nutzlos verstreichen und da das Amazon-Päckchen erst gestern Mittag geliefert wurde, habe ich in der Zwischenzeit noch "Das Tibetische Buch vom Leben und vom Sterben" von Sogyal Rinpoche (eine zeitgemäße Auslegung des tibetischen Totenbuchs) und "Der kostbare Schmuck der Befreiung" von Gampopa, eine systematische Übersicht de tibetischen Buddhismus aus dem 12. Jahrhundert, gelesen.

Eigentlich sollte es für jeden Pflicht sein mindestens einmal im Leben ein Buch wie "Das Tibetische Buch vom Leben und Sterben" zu lesen und darüber nachzudenken. Es erschüttert in vielerlei Hinsicht, gibt jedoch auch Hoffnung, doch vor allem ist es eins: ein wunderbarer Ratgeber wie man leben sollte und wie man dem Sterben (dem eigenen und dem von anderen) menschlich begegnet.

"Der kostbare Schmuck der Befreiung" ist das älteste Lehrwerk des tibetischen Buddhismus, das den Stufenweg zur Erleuchtung (Mahayana / das große Fahrzeug) systematisch und umfassend beschreibt (so der Klappentext). Nun: umfassend ist natürlich relativ, aber für nur knapp 250 Seiten ist erstaunlich viel Theorie wie auch Praxis enthalten. Besonders interessant fand ich die Ausführungen bezüglich des Karma, der verschiedenen Höllenbereichen und welche Vergehen zu welchen Widergeburten führen. Lügen und Geschwätzigkeit führen z.B. in ihren schlimmsten Auswirkungen zu einer Widergeburt im Tierreich. Der, den es trifft, wird die sprichwörtliche "dumme Sau", die er schon im Leben war.

Aus den Prinzipien des Karma und dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten in den unterschiedlichsten Bereichen erwächst auf ganz natürliche Art und Weise Ethik, die ganz ohne Imperativen ('Du sollst ...') auskommt. Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg' auch keinem anderen zu - denn es wird Dir sonst in diesem oder in einem Deiner weiteren Leben selbst zugefügt werden.

Es braucht keinen Gott, der - gnädig oder strafend - richtet und auf dessen Erbarmen man hoffen kann. Genauso wenig läßt sich auf Erlösung durch Nichtexistenz hoffen. Es gibt keine einfache Möglichkeit zur Flucht. Erlösung muß wirklich verdient werden. Jegliches empfundene Leid ist schlußendlich nur natürliche Gerechtigkeit, ein Bußetun, auch wenn sich uns die Ursachen und Gründe nicht erschließen, weil sie zu weit in der Vergangenheit liegen.

Je mehr ich lese, umso stärker wird der Wunsch in mir, einen spirituellen Weg einzuschlagen. Wenn die Wahrheit wirklich erfahrbar ist (wie die buddhistischen Lehren sagen) - welcher Weg in die Zukunft sollte dann wichtiger sein? Frustieren mich schon die sich wiederholenden großen und kleinen Dramen in diesem einen Leben, wie frustierend ist dann der Gedanke an unzählige zu durchleidenden Menschenleben (wobei die Wiedergeburt als Mensch schon als Glück angesehen werden kann)?

Freitag, 26. Juni 2009

Alternativprogramm.

Nachdem das Wetter nicht wollte wie ich wollte, verliere ich mich nun eben in buddhistischer Literatur. Die Harvard-Vorlesungen des Dalai Lama ("Einführung in den Budhismus"/Herder) haben Lust gemacht, Buddhismus etwas allgemeiner zu untersuchen. Schulen, Geschichte, Unterschiede - Michael von Brück's gleichnamiges Werk ("Einführung in den Buddhismus"/Verlag der Weltreligonen) bietet auf über 500 Seiten einen seriös-nüchternen Überblick. Einiges ist jetzt klarer. Mein Interesse am Quellenstudium ist erwacht. Als nächstes kommen Teile des Pali-Kanons, das Visuddhi-Magga und das Lankavatara-Sutra dran. Die Motivation zu täglicher Praxis ist noch nicht hoch genug. Der eitle Affe in meinem Kopf will erst noch ein wenig beruhigt werden ...

Donnerstag, 11. Juni 2009

Wohin, wohin.

Gedankenversunken gehe ich auf die Dachterasse. Es dauert ein wenig bis ich mir des dumpfen Brummens bewußt werde, das über dem Innenhof liegt. Das Schlagen von Myriaden von Flügelpaaren erzeugt es. Ein knapp zehn Meter durchmessender Bienenschwarm schwebt direkt vor mir, umschließt mich dann, zieht weiter über das Dach, über die nächste Straße. Die Zeit reicht gerade noch für ein paar Schnappschüsse aus dem gegenüberliegenden Dachflächenfenster. Auf den Bildern ist kaum etwas erkennbar, aber als Erinnerungsmarker reicht es.

In Gedanken höre ich meine Mutter schimpfen. Wie kannst Du nur so leichtsinnig sein und stehen bleiben?, kreischt sie. Fiktive Belehrungen wie diese kommen stets aus dem Off. Ich stehe am Fenster, schaue auf Felder und Hügel hinaus und sie steht zetternd und mit irgendetwas klappernd - Geschirr wahrscheinlich - hinter mir irgendwo im Raum. Sie: hysterisch - ich: ruhig. Weil sie Dir nichts tun, Mam, aber in Deiner Hysterie kannst Du das nicht spüren.

Wenn man nicht in Panik gerät, sondern gelassen bleibt, dann ist diese Wolke quirrligen Lebens ein unglaublich faszinierndes Erlebnis. Es kribbelt auf der Haut, wenn sie mich berühren, doch keine läßt sich nieder, denn der Schwarm wandert. Eigentlich wie ich, denke ich, und muß schmunzeln. Wanderer grüßt Wanderer.

Gestern las ich ein Buch von Abt Muho, eines Deutschen, der in Japan ein abgelegenes Zen-Kloster in den Bergen leitet. Die Einblicke in die Zen-Praxis von Heute waren äußerst interessant.

Auf http://antaiji.dogen-zen.de findet sich übrigens die Homepage seines Klosters. Denkt man sich die Architektur des Tempels anders, könnte es genausogut ein Bergbauernhof hier bei uns sein. Das Buch, obwohl es mit vielen Romantisierungen aufräumt - oder vielleicht gerade deswegen -, hat Lust gemacht so etwas in dieser Art auszuprobieren. Antaiji reizt mich schon allein wegen seiner Größe (nur ganz wenige Bewohner), aber auch wegen der Abgeschiedenheit und der (Land-)Arbeit. Bei einem deutschen Abt fällt auch die Sprachbarriere weg.

Je länger ich den Gedanken, dort Herbst/Winter zu verbringen, festhalte, umso mehr gefällt er mir. Wäre das nicht echt genial? Zuerst mal 100 Tage auf Probe und dann weitersehen. Spricht was dagegen? Nein. Ganz im Gegenteil. Je genauer ich es betrachte, umso mehr positive Seiten entdecke ich. Zurück zur Natur, praktizierter Buddhismus, die Chance japanische Kultur direkt zu erleben und die Sprache zu lernen, das Leben in einer Gemeinschaft, und und und.

Bis Ende Juli, wo ich wegen dem Termin beim AMS wieder in Graz sein muß, darf diese "Schnapsidee" nun erstmal reifen. Heute bin ich jedenfalls davon begeistert. Das vereint viele Punkte von meiner 'Was ich schon immer mal tun wollte'-Liste in einem, ja, heute erscheint es mir geradezu maßgeschneidert.

Montag, 8. Juni 2009

Illusionen.

Wer schreibt? Ich weiß es nicht.

Was hat mich gerade so tief erschüttert? Ich habe den Text von Erich Fromm (Psychoanalyse und Zen-Buddhismus) schon Anfang 2003 gelesen - ja, ja, dachte ich damals, verstanden habe ich scheinbar nichts.

Der Text zeigt schonungslos auf, was mein bewußtes Ich ist. Ganz zwangsläufig erwächst es aus dem, was mich umgibt und aus dem, mit dem ich in Kontakt war. Erziehung liefert Filterparameter, Sprache liefert Filterparameter, Logik liefert Filterparameter. Im Grunde liefert alles, um mich Filterparameter. Manches, denkt man eben nicht (Kulturkreis/Erziehung), manches ist "unlogisch" im Sinne der hier vorherrschenden Logik (ambivalente Gefühle können deswegen so schwer wahrgenommen werden, weil die Logik verbietet, das Liebe und Nicht-Liebe/Hass gleichzeitig Eigenschaft von etwas sind), für manches gibt es keine eigenen Worte oder die Syntax der Sprache beschränkt die Abstraktion.

Dieses bewußtwahrgenommene Ich ist alles mögliche, nur eben nicht Ich, nicht das, was da schlußendlich hört, was mein Innerstes ausmacht. Mit einem Schlag - das tiefe Rauschen meines Blutes weicht erst langsam aus meinen Ohren - erfüllt mich wortloses Verstehen. Wie nichtig sind diesen inneren Kämpfe. Da fechte nicht Ich, sondern da fiecht mein sich seiner Umgebung angepasster Organismus Scheinkämpfe, macht unnötige Drahtseilakte. Das Bewußtsein ist die Illusion. Das Ich versteckt sich wo anders.

Wer bin ich? Ich weiß es nicht. Ich zerreisse die Schleier und weiß, was ich nicht bin, nämlich genau diese Illusion, die hauptsächlich ein riesiges Aktion/Reaktion-Netzwerk ist, ein kulturell- und umgebungsbedingtes Etwas, das Empfindungen zuläßt, verstärkt oder unterdrückt. Mein Ich liegt viel tiefer. Mein Ich ist dieses Bauchgefühl, das weiß ohne bewußt zu wissen.

"Das, was Es war, soll Ich werden." Dieser Satz, diese Devise, die Fromm Freud zuschreibt, bringt die Idee des Zen-Buddhismus auf den Punkt. Forsche in Dir nach dem, was da hört, was da sieht, was da isst, was da schläft. Der ich bisher glaubte zu sein, bin ich nicht. Wer bin ich?

Warum hat mich diese Erkenntnis gerade so erschüttert? Fromms Analyse ist brilliant, keine Frage, aber brilliant ist sie mir sicherlich schon damals vor ein paar Jahren erschienen. Warum kann es mich jetzt so durch und durch überzeugen, ja geradezu umhauen, gleichzeitig das Traurigste und Freudigste sein seit langen Monaten? Für einen Moment war ein Erkennen da, ein schreckliches Realisieren wieviel Zeit und Energie ich schon verschwendet habe, wie sinnlos das doch alles war.

Ebenso: wie lächerlich komisch ist das alles. Das stolze Ich mit seiner ach-so-großen Freiheit. Jegliches Abstrahieren, alles Kategorisieren, alle Logik - Illusionen und Täuschungen, Automatismen. Wärme durchströmt mich. Wie lächerlich komisch, wenn man die Perspektive wechselt, wie lächerlich komisch ist das alles. Aufgeblasen stolziert das Ich herum und glaubt von sich es sei der Wesenskern. Wie lächerlich komisch.

Ich fühle mich freier. Erst jetzt erahne ich langsam wie durch und durch abhängig, illusionär und im Grunde starren Regeln folgend mein bewußtes Denken wirklich ist. Alles, was nicht zu den Filtern passt, gelangt erst gar nicht ins Wach-Bewußtsein, aber es ist nichtsdestotrotz unverleugnungsbar da, hat mehr reale Existenz als jeder aus Kategorien entstandener, bewußter Gedanke.

Ha, ha, ha.

Montag, 18. Mai 2009

Momentaufnahme.

Sie rächt sich mit intimen Details. Ich will nichts darüber wissen, will nicht daran denken, doch der Boden ist noch fruchtbar. Sie pflanzt Phantasien in meinen Bauch und für einen kurzen Moment bin ich gewillt nachzugeben. Sie reizt den Wolf und er knurrt.

Was für ein Biest.

Freitag, 15. Mai 2009

Koan.

Mein Lieblingskoan zur Zeit geht so:

Ein Mann fragte Tao-hsin beim Essen "Was ist die Wahrheit hinter allem." Daraufhin Tao-hsin "Nicht die Küche."

Einfach genial wie sich hier tiefstes Verständnis hinter müdem Sarkasmus versteckt.

Ich habe meine Meditationspraxis wieder aufgenommen. Das Reisen fällt ausgesprochen leicht.

Dienstag, 12. Mai 2009

Unerwartetes Geschenk.

Als mir vor ein paar Tagen ein Kontrollmeldungstermin von AMS (Arbeitsmarktservice) für Ende Juli ins Haus flatterte, hielt ich es für einen Irrtum. Mein Ausstieg aus dem Unternehmungsgründungsprogramm hatte wahrscheinlich nur einen AMS-internen Mechanismus ausgelöst, der ohne Überprüfung des realen Anspruchs auf Arbeitslosengeld solche Mitteilungen verschickt.

Heute jedoch folgte der Bescheid vom Bundesrechnungszentrum, der meinen Leistungsanspruch bis Ende Oktober bestätigt. Wie und warum ich zu dieser völlig unerwarteten Verlängerung komme, ist mir ein Rätsel. Auch nach längerer Recherche finde ich keine passende Rechtsgrundlage dafür, aber was soll's, ich wäre schön blöd, mich darüber zu beschweren.

Samstag, 2. Mai 2009

Weiter im Text.

Die schönste Frucht der Selbstgenügsamkeit ist die Freiheit.

- Epikur

Gerade noch so viel im Kopf, was raus wollte, und jetzt? Genaugenommen ist das alles unwichtig, Kleinkram, mehr oder weniger passende Rationalisierungen. Die eine Wahrheit, den einzig richtigen Weg, gibt es nicht, kann es gar nicht geben - Leben funktioniert anders.

Es wird Zeit wieder mit den Meditationen anzufangen. Der Abbruch damals war gut und richtig, doch jetzt muß es weitergehen. Angst - auch die unbewußte - besiegt man nur, in dem man sich ihr stellt.

Das im Herzen zählt.