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Donnerstag, 20. Mai 2010

Farben hören.

Obwohl die Alltagserfahrung von Sehen und Hören völlig unterschiedlich ist, sind beide Sinne aus physiologischer Sicht fast ident. Einerseits werden die Eingangssignale der Augen und Ohren in der gleichen Weise kodiert zum Gehirn übertragen, andererseits sind die primären Auswertungsareale im Gehirn nahezu identisch strukturiert. Bei von Geburt an blinden Menschen kommt es vor, dass durch das Fehlen der Eingangssignale das Sehzentrum vom Gehörsinn mitbenutzt wird. Wird das Augenlicht operativ zu spät wiederhergestellt, gelingt es diesen Menschen nicht mehr sehen zu lernen. Sie nehmen durch die Augen nur Lärm wahr.

Beides (die Gleichartigkeit der Kodierung und die Gleichartigkeit der Auswertungsstrukturen) zeigt, das die Evolution hochgradig 'Re-Use' betreibt.

Apropos Sehen und Flexibilität von Gehirnen: überträgt man die menschliche Gensequenz für den 3. Farbsinn in die Gensequenz eines Säugers mit nur zwei Farbsinnen (d.h. modifiziert man das Auge, das es statt zwei nun drei Farbkanäle empfangen kann), so kann dessen Hirn den 3. Farbsinn auch wahrnehmen (ohne jegliche Änderung an der Hirnstruktur!).

Fledermäuse verfügen über vier Farbkanäle. Sie sehen neben den auch beim Menschen gängigen drei Farbkanälen zusätzlich noch im Infrarot-Bereich (Wärmestrahlung). Rein theoretisch sollte das menschliche Gehirn auch dazu in der Lage sein. Man stelle sich vor, die Evolution hätte genetisch nicht so geknausert und uns auch diesen Farbkanal als Input gegönnt ...

Unser ganze Erleben dieser Welt wäre anders. Das (Un-)Gleichgewicht in der Wärmeverteilung anderer Organismen würde sichtbar. Für jedes Produkt - vom Bügeleisen bis zur Luxusvilla - wäre Wärmeverteilung plötzlich ein sichtbares (ästethisches) Kriterium. Soziales und Kulturelles würde sich deutlich verändern.

Unsere Vorstellung von der Welt da draußen (und wie wir auf sie reagieren) ist hochgradig von unseren Sinnesorganen geprägt und damit auch hochgradig subjektiv (eine Erfindung des Geistes, um sich zurecht zu finden). Unsere Sinnesorgane nehmen nur einen Bruchteil davon wahr, was ist. Doch selbst diesem Bruchteil kann das Bewußtsein nur punktuell folgen. Gleichzeitig völlig konzentriert hinzusehen, -hören, -fühlen und mitzudenken, um jede kleinste Nuance mitzubekommen, gelingt nicht. Selbst ein einziger Sinn kann zu komplexe Daten liefern, um ihn vollständig zu interpretieren (z.B.: versuchen Sie mal zehn Gesprächen gleichzeitig zu folgen).

Das, was mir die Alltagserfahrung als reale, sich als so unmittelbar anfühlende Welt 'vorspielt', ist die Approximation einer Approximation einer Approximation. Je deutlicher ich mir dessen bewußt bin, um so leichter zerbröckeln verkrustete Denkschemata. Einerseits braucht der Mensch diesen Grad an Approximation, weil die Hardware mit 'dem Ding an sich' schlicht überfordert ist, anderseits ist der Geist auch träge und mag extrem vereinfachte (duale) Kategorien a la Gut/Böse.

Jegliche Überbegriffe sind Schall und Rauch. Der faule Geist agiert irgendwann nur mehr mit Kategorien und verliert 'das Ding an sich' völlig aus dem Blick. In jedem Moment ist die Welt einzigartig. Weder war sie vorher schon so, noch wird sie irgendwann wieder einmal so sein. Wer glaubt, alles gesehen zu haben, zu wissen wie der Hase läuft, der sperrt sich selbst von der Einzigartigkeit in die Langeweile aus.

Das Erlebtnis- und Erkenntnispotential eines einzelnen Tages ist riesig.

Es gibt Fotografen, die fotografieren ausschließlich Menschen, mit der Begründung, das nur menschliche Interaktion einzigartig und damit fotgrafierwürdig sei. Ich habe diesen Standpunkt nie verstanden. Mit der selben Scheuklappenmentalität ließe sich auch genau das Gegenteil behaupten.

Hach - ich liebe die spitze Feder von Robert Anton Wilson. Genau wie bei Douglas Adams oder Terry Pratchett wimmelt es bei ihm von kleinen, absurden Anekdoten, die die menschliche Natur auf's Korn nehmen und punktgenau kleine und große Wahrheiten treffen.

Beispiel:

Im Kaptialismus beutet der Mensch den Menschen aus. Im Sozialismus ist es genau umgekehrt.

- Ben Tucker, berühmter Vaudeville-Komiker


(... per Google findet sich nur der Anarchist Benjamin Tucker, zu dem das Zitat ganz gut passen würde ...)

Donnerstag, 18. Februar 2010

Junger Mann.

Verzweifelt bemüht sich das alte Mütterchen die zwei Stufen von der Haustür hinab zum Gehsteig zu überwinden. Dutzende Menschen laufen an ihr vorbei. Darf ich Ihnen helfen, frage ich und bemühe mich zu lächeln, um die alte Lady nicht zu erschrecken. Wenige Momente später steht sie sicher am Gehsteig. Danke, junger Mann. Ich muß schmunzeln. Mit 41 junger Mann genannt zu werden, ist dann doch etwas seltsam, doch in den Augen einer (wahrscheinlich) 90-jährigen ist wohl fast jeder jung. Gern geschehen, antworte ich, und wünsche ihr noch einen schönen Tag.

Freitag, 27. November 2009

Verwandtschaftsverhältnisse.

Diese 3D-Visualisierung des Baums des Lebens spukt mir immer noch im Kopf herum. Die Darstellung als kugelförmiger Baum, dessen Oberfläche (die Endpunkte der Äste) die heute lebenden Arten darstellt, war genial einprägsam. Ich frage mich, ob sich das nicht mit Actionscript und Realdaten aus dem gängigen Modell interaktiv visualisieren läßt.

Vom Standpunkt des Baums - dem objektivem Zentrum - aus gesehen, ist die gesamte Oberfläche (mit allem, was da heute kreucht und fleucht) die Höchstentwickelste. Es ist die Quintessenz einer 13,7 Milliarden Jahre langen Geschichte. Ob der winzige Nebenast Mensch lange eine Rolle spielen wird, mag bezweifelt werden. Doch eines ist sicher: bisher hat noch kein Nebenast so viele seiner weitläufigen Verwandtschaft geknickt. Evolutionstechnisch gesehen ist die 'Krone der Schöpfung' eine tödliche Seuche.

Mittwoch, 20. Mai 2009

WWW der Alpen.

Wild, Wald, Weiber.

Donnerstag, 30. April 2009

Verfügbarkeitsheuristik.

Heuristiken sind Strategien ("Faustregeln"), die die Beurteilung von Sachverhalten erleichtern und beschleunigen sollen. Unter einer Verfügbarkeitsheuristik versteht man jene Strategie, Informationen an Hand ihrer Verfügbarkeit für eine Entscheidung heranzuziehen. Präzisere Informationen sind im Regelfall schwerer verfügbar und werden daher seltener als Entscheidungshilfe herangezogen.

verwandte Themen: Vorurteile, Schlagzeilengläubigkeit, Aberglauben, Gerüchte etc.pp.