Dienstag, 21. April 2009

Gnadengesuch.

Es ist leichter, als man glaubt, sich zu hassen; die Gnade besteht darin, sich zu vergessen.

- Georges Bernanos / Tagebuch eines Landpfarrers

Über Toleranz.

Toleranz besteht nicht darin, daß man die Ansichten eines anderen teilt, sondern nur darin, daß man dem anderen das Recht einräumt, überhaupt anderer Ansicht zu sein. Andererseits wird Toleranz aber auch dann mißverstanden, wenn man so weit geht, daß man dem anderen auch noch das Recht zugesteht, selber und seinerseits intolerant zu sein.

- Viktor E. Frankl

Montag, 20. April 2009

Münchhausen.

Alles geht vor die Hunde, zerbröckelt, zerfällt. Hilflos stehe ich daneben und kann nur zusehen, kann nichts tun, kann den Verfall nicht aufhalten. Du müßtest doch nur, denke ich, aber denken hilft nichts gegen die gefühlte Ohnmacht. Mit jedem Tag, jeder Woche, jedem Monat fällt es schwerer, mich selbst am Schopf packen und aus dem Dreck zu ziehen. Die Frage "Wozu?" ist kein Damokles-Schwert, keine Drohung, es ist das Henkersbeil für jeden Plan. Ich will nichts, ich brauche nichts, warum sich also für irgendetwas anstrengen, warum nach irgendetwas streben?

Objektiv betrachtet gibt es keinerlei Anlaß für Sorgen, doch Gefühle fragen nicht nach Gründen.

Warum kann ich aus mir heraus keine (langfristigen) Pläne entwickeln? Wie kann ein Mensch so bedürfnislos sein? Da ist kein Hunger. Kein Drang nach Erfolg, nach Reichtum, nach Besitz. Selbst das Bedürfnis anderen zu helfen, ist über die Jahre geschwunden, selbst darin finde ich keinen Sinn mehr.

Samstag, 18. April 2009

...

... hach ...

Freitag, 17. April 2009

Always Look On The Bright Side Of Life.

Ich ertappe mich dabei wie ich fröhlich vor mich hin pfeifend langsam durch die Straßen schlendere. Die Sonne scheint, ich bin Herr über mich selbst, kann tun und lassen wonach mir der Sinn steht. Das die Zerrung immer noch bei jedem Schritt schmerzt, nehme ich kaum wahr.

Wie krank unsere Gesellschaft heute doch in ihrer Fixierung auf Leistung ist. Von Kindesbeinen an bekommt man es eingebleut, internalisiert es über Jahrzehnte. Leistung, Leistung, Leistung - als gäbe es nichts anderes mehr, das zählt. Die Menschen hetzen durch ihre Leben, Ausbildung, Karriere, immer weiter, vorwärts, keine Zeit, wie Dagobert Duck die Dollarzeichen in den Augen. Überall huldigt man dem goldenen Kalb, ja, man ist geradezu gezwungen es selbst zu huldigen, denn heute läßt sich kaum noch ein Schritt tun ohne dafür zu bezahlen. Irgendwer steht immer da und hält die Hand auf und die Preise für die rudimentärsten Dinge steigen pausenlos. Der moderne Mensch ist Sklave und merkt es nicht einmal.

Je klarer der Blick wird - und es braucht Zeit, viel Zeit -, um so mehr wird mir bewußt, daß ich in diese Art Leben nie mehr zurückkehren will. Lieber tot, als mich auch nur einen einzigen Tag lang weiter so instrumentalisieren zu lassen. Je klarer der Blick wird, um so mehr vernebelt sich die Zukunft und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen fühle ich mich freier als jemals zuvor in meinem Leben.

Ich schlendere durch die Straßen, schwarze Wolken ziehen auf, für wenige Minuten hagelt es, dann strahlt wieder die Sonne. Die Schuld, die ich spüre, ist nicht meine. Wie könnte sie auch? Ich habe niemals "ja" zu diesem Wertesystem gesagt, das alles Menschliche negiert, diesem Teufelskreislauf aus sinnfreiem Konsum und nicht minder sinnfreiem Schuften. Trotzdem spüre ich die Schuld auf meinen Schultern, die Schuld in meinem Herzen.

Novalis schreibt, daß es kein Zurück zur Naivität gibt, daß die Leiter auf der wir emporgestiegen sind, umgefallen ist. Wenn die Haare noch ein Stück wachsen, brauche ich keine Leiter für den Rückweg.

Die Sehnsucht nach dem einfachen Leben wird immer größer. Was vor Jahren, ja sogar noch vor Monaten undenkbar für mich war - das alles hinter mir zu lassen -, zeichnet sich langsam aber sicher als einzige Option ab. Nicht nur "scheiß drauf" denken, nicht nur hin und wieder "scheiß drauf" leben, nein, wirklich einen Schlußstrich unter die ach so rationalen Kompromisse ziehen. Schließlich nützt es niemanden, wenn ich mich in diese Konformität zwinge.

Diese Nacht gehört ihr. Ich kämpfe nicht mehr dagegen an, verbiete mir nicht mehr dieses bischen Intimität zu leben, obwohl ich sie nicht liebe. Richtig oder falsch ist sowieso nur eine Frage der Perspektive. Weder sind Lügen im Spiel, noch bin ich ihr gegenüber unaufrichtig. Seit über zwei Jahren verbinden uns nun diese Nächte - und zumindest von meiner Seite aus exklusiv, denn es gibt und gab in der ganzen Zeit keine andere Frau in meinem Leben.

Über das Glück.

Je mehr es dem Menschen um Lust geht, um so mehr vergeht sie ihm auch schon. Je mehr er nach Glück jagt, um so mehr verjagt er es auch schon. Um dies zu verstehen, brauchen wir nur das Vorurteil zu überwinden, daß der Mensch im Grunde darauf aus sei, glücklich zu sein; was er in Wirklichkeit will, ist nämlich, einen Grund dazu zu haben. Und hat er einmal einen Grund dazu dann stellt sich das Glücksgefühl von selbst ein. In dem Maße hingegen, in dem er das Glücksgefühl direkt anpeilt, verliert er den Grund, den er dazu haben mag, aus den Augen, und das Glücksgefühl selbst sackt in sich zusammen. Mit anderen Worten, Glück muß erfolgen und kann nicht erzielt werden.

- Viktor Frankl

Donnerstag, 16. April 2009

Auszeit.

Ein Gedanke von Viktor Frankl geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Er schreibt, daß es nicht möglich ist, glücklich sein zu wollen, denn Glück ist nur ein Symptom. Was der Mensch wirklich braucht, ist ein Grund um glücklich zu sein. Ist der Grund vorhanden, stellt sich Glück ganz von allein ein.

Die unfreiwillige Auszeit beschert mir eine Wiederbegegnung mit Michael Ende's wohl ungewöhnlichstem Buch 'Der Spiegel im Spiegel'. Absurd, tiefgründig, kafkaesk sind die ersten Attribute, die mir spontan dazu einfallen. In dreißig Geschichten meditiert der Autor über die großen Themen des Menschseins, der Gesellschaft, über die Welt. Einfach wundervoll (und irgendwie so ganz anders als seine anderen Bücher).

Zwischen den Geschichten lege ich kleine Arbeitspausen ein. Waschen, einkaufen, kochen, Ordnung schaffen. Viel Liegengebliebenes wird erledigt. Das eine und andere Glas Campari-Orange gibt's als Belohnung - und natürlich die nächste Geschichte.

Auf meinen Wanderungen erinnerte ich mich, daß ich doch einen Kindheitstraum - bezüglich was ich einmal machen möchte - hatte. Mein Traum war es irgendwann einmal in den Wäldern weit ab der Zivilisation zu leben.

Kanada, Alaska, vielleicht Kamtschatka. Warum eigentlich nicht?

Wenn ich durch die kleinen Dörfer komme, bin ich immer wieder überrascht, um wieviel menschlicher sich Menschen dort begegnen. Es ist völlig selbstverständlich, daß man sich zumindest freundlich grüßt, egal ob nun Fremder oder Bekannter - ein paar Worte, ein Lächeln. Ich fühle mich an meine Kindheit erinnert, an meine Erziehung. Manchmal ist man sich nicht bewußt, das man etwas vermisst.