Sonntag, 26. Oktober 2008

Philippe Djian: Die Frühreifen.

Djian überrascht mich jedes Mal auf's Neue. Durch die ständig und rasch wechselnden Erzählstimmen läßt er die Innensicht dreier Generationen lebendig werden und demaskiert damit schonungslos die Unmöglichkeit des richtigen Handelns.

Absolut lesenswert.

Freitag, 24. Oktober 2008

Kreuz und quer / VII.

Das gerade heute die Gründermesse '08 ist, läßt sich als Zeichen interpretieren. Der ursprüngliche Plan hat sich zwar etwas verändert (keine gemeinsame Gründung, sondern 2 Einzelunternehmen), aber es ist nach wie vor die realistischte Zukunftsperspektive. Die Messe selbst war äußerst unbefriedigend. Von den vielen Gesprächen, die Jo und ich geführt haben, gab es nur eins das wirklich neue Informationen gebracht hat. Alle anderen Infos waren derart oberflächlich das selbst ein kurzer Blick auf die entsprechende Webpage schon mehr an Fakten liefert. Was soll so eine Veranstaltung, wenn man auf konkrete Fragen nur Larifari-Antworten erhält und das quer durch die Bank bei allen teilnehmenden Unternehmen? Fachlich völlig durchgefallen.

Das Thema Aussteigen ist auch auf dem Tisch. Entweder hier auf's Land (z.B. ein Hof in der Gegend um Gamlitz) oder eben weit, weit weg. Wenn alles klappt, geht's Ostern mit Jo und Frau G. erstmal auf Urlaub nach Madagaskar. Einerseits um ein bischen Exotik zu schnuppern (endlich mal wirklich weit weg) und andererseits um rauszufinden, ob man sich auch vorstellen kann dort zu leben. Und natürlich auch zum Fotografieren. Ich bin dann mal im Regenwald. Mensch, wenn das klappt - zumindest mal Ostern - das wäre wirklich genial.

Mein Vater ist ein eigenartiger Kerl. Ich habe nie verstanden, warum er mit mir nicht kommunizieren kann. Es ist kein Desinteresse. Er kommentiert als erster kurz nach Mitternacht das neue Bild und schickt um die selbe Zeit noch eine Mail, die aus genauso wenigen Worten wie der Kommentar besteht. Er will, aber er kann nicht. Mischt man zu diesen Genen des Einzelgängers, der einfach nur tut und nicht redet, noch die Gene meiner Mutter, der ständig Plapperenden, der Überängstlichen mit Hang zum Dramatisieren (die aber genauso wenig auf andere Menschen eingehen geschweige denn über Gefühle reden kann), erklärt das viel. Da verwundert es schon eher, daß ich nicht völlig neben der Spur bin.

Vierzig.

Als ich aufwache, grinst mich der kleine Wolf im Schafspelz an und ich muß zurückgrinsen. Sie ist auch so ein Gutmensch, diese Frau da im Norden, die ihn (und anderes) auf den Weg geschickt hat. Diese Geste - das sie daran gedacht hat und so passendes gefunden hat - reißt mich aus meinen trüben Gedanken. Ich bin dankbar für das Gefühl der Wärme, dass sie mir damit schenkt.

Alles wird gut, denke ich und zwinge mich zum Perspektivenwechsel. Camus hat Recht. Vergiss das nicht. Der Stein muß einfach nur wieder den Hügel rauf.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Kreuz und quer / VI.

Gerade habe ich entdeckt, dass Microsoft heute nach über zehn Jahren immer noch ein Produkt verkauft, das ich damals federführend mitentwickelt habe und an dem sich außer dem Namen nichts geändert hat (ehemalige Firma wurde von MS aufgekauft). Der Preis pro Stück liegt nach wie vor in der Region eines gutausgestatteten Kleinwagens, die Fertigungskosten machen davon wohl so um die 20% aus.

Ich muß schmunzeln. So ein altes Baby und immer noch eine Cashcow. Die technischen Details haben sich nicht verändert, das Design wurde maginal modifiziert. Aber das war's dann auch schon.

Warum ist da diese völlige Abneigung mich irgendwie selbst zu vermarkten? Jeden Schritt in diese Richtung meide ich wie die Pest. Sollen andere beurteilen, was entsteht. Ich "leiste" lieber als darüber zu reden.

Montag, 20. Oktober 2008

Dessert.

Das sie im Schlafzimmer ihre Uhr liegen läßt, ist Berechnung. Nach zwei Tagen rufe ich sie an. Sie lädt mich zum Mittagessen bei ihr ein und es passiert, was passieren muß. Sie lockt, unverhohlen, fällt dann über mich her, versucht sich und mich von störenden Kleidern zu entledigen, fleht schließlich, nackt und bebend, der Inbegriff des blonden Biest. Ich gehe weiter als ich gehen wollte, erliege der Versuchung, spiele mit den Wellen, die durch ihren Körper jagen, schenke ihr drei Orgasmen in wenigen Minuten, aber ich schlafe nicht mit ihr. Mir ist nur zu gut bewußt, warum ich auf Abstand gegangen bin. Das hier muß aufhören.

Kreuz und quer / V.

Erste kleine Projektideen (Wien/Linz) keimen. Der Photoblog braucht dringend neues Futter, doch kreativ ist gerade Flaute. Es fehlt der Blick, die Geduld, generell die Ruhe, das Kopfabschalten beim Bilder sammeln und das Kopfabschalten beim Bearbeiten. Kein Flow. Ich denke zu viel. Der Ausknopf klemmt.

Woher kommt eigentlich dieses Unvermögen meine Zukunft zu planen? Zumindest stellt es sich momentan so dar: als Unvermögen. An planerischem Talent generell mangelt es nicht. Ich bin IT-System-Architekt, planen und umsetzen ist mein Job. Doch jede längerfristige Idee verwerfe ich schon nach kurzer Analyse. Ich finde es nicht mal der Mühe wert mich mit einer Option länger als ein Weilchen zu beschäftigen. Keine Perspektive reizt wirklich mehr als die andere.

Warum? Jetzt stehe ich am Tor von Wunderland und bin angewurzelt - orientierungslos trotz unzähliger Wegweiser und meilenweiter Sicht. Alles da, Kleingeld, Zeit, aber wirklich loslaufen - und sei es nur für ein Weilchen - will ich nicht. Wenn schon loslaufen, dann von Anfang an in die "richtige" Richtung. Obwohl eigentlich momentan belanglos, erscheint mir der Faktor Zeit enorm wichtig. Es ist ein Bauchgefühl, immens stark. Die Zeit verrinnt zu schnell.

Da ist auch der Wunsch bzw. vielmehr der Anspruch an mich selbst, nicht nur die nächsten zehn Jahre abgesichert zu haben, sondern auch den Rest. Ich will dieses Thema endgültig vom Tisch. Im unselbständigen Bereich gelingt das in ein paar Jahren höchstens im obersten Managementbereich. Unmöglich. Im Selbständigenbereich bedarf es einer genialen Idee plus Glück plus jeder Menge harter Arbeit - gerade in Gebieten, die mir absolut nicht liegen (z.B. Marketing/PR). Mehr als ein paar wenige Jahre will ich dafür aber auch nicht mehr investieren.

Ich bin skeptisch, ob das so funktioniert. Klar, ich sollte diesen Aspekt nie aus den Augen lassen, doch wozu nicht mal herum laufen? Warum das Gefühl, das mir nicht mehr viel Zeit bleibt?

Sonntag, 19. Oktober 2008