Freitag, 5. Februar 2010

Tractatus / IV.

And I don't know a soul who's not been battered
I don't have a friend who feels at ease
I don't know a dream that's not been shattered
or driven to its knees
But it's all right, it's all right
We’ve lived so well so long
Still, when I think of the road
we're traveling on
I wonder what went wrong
I can't help it, I wonder what went wrong

- An American Tune

1981. Der Central Park ist voll mit Menschen. “What a night!", sagt ein sichtbar gerührter Art Garfunkel, "I thought it might be somewhat crowded, but we seem to have filled the place.” Ich bin gerade zu Besuch bei einem Schulkameraden in einer alten Villa am Traunsee, fasziniert sitzen wir vor dem Fernseher.

"It’s great to do a neighbourhood concert."

Recht hat er, und seit die Fernseher sich in die Wohnzimmer geschlichen haben, ist die Nachbarschaft viel größer geworden.

Nach dem "Concert in Central Park" geht es ein bischen zurück in der Zeit und quer übers Meer. November 1979, Supertramp live in Paris.

Es ist eigenartig, welche Wirkung die Bilder und Songs auf mich haben. Damals gesehen und heute, 30 Jahre danach, faktisch ein ganzes Leben später. Das Leben ist ein Sturzbach.

Was besonders auffällt: die Geschwindigkeit mit der sich die Veränderungen vollziehen, nimmt rasant zu. Lokale, soziale Strukturen zerfallen zunehmend. Studentenproteste verkommen zu Events.

Gerade läuft die Playlist durch die Alben der Doors. Um bestimmte Musik zu verstehen, braucht es Whiskey, Magic Mushrooms und anderer Zaubersachen. Schade, dass nichts davon zur Hand ist ...

Ich fühle mich angespannt. Für Morgen hat sich mein Neffe zum Nächtigen angesagt und hier sieht's aus wie ... hmmmmm ... na wie bei einem, der Hausarbeiten gerne mal auf die lange Bank schiebt. Sonntag, dann der nächste Termin mit meiner Ex-Arbeitskollegin zwecks ihrem Computer.

Nachtrag:

Für den Abend bzw. die Nacht steht die zweite Staffel von Twin Peaks (1990) auf dem Programm. Hallo again, Agent Cooper.

Nachtrag 2:

Das man so perfekte Live-Konzerte hinbekommt, hat mich schon immer gewundert. Also entweder sind die Mitschnitte aus verschiedensten Supertramp-Konzerten allesamt was Ton und Bild betrifft schrecklich asynchron oder die Jungs haben nie live gesungen.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Now Playing: Lou Reed & The Velvet Underground - Pale Blue Eyes.

Sometimes I feel so happy
sometimes I feel so sad ...

Momentan höre ich mich kreuz und quer durch Alben, die so um 1968-1970 in den Charts waren. Das war wohl die erste Musik, die ich gehört habe. Was mich fasziniert, ist, wie vertraut das alles klingt. Vertraut, gleichzeitig drecker und auch wärmer, menschlicher als die Musik von Heute. Woher kommt das plötzliche Interesse an dieser Musikperiode?

.. Jackie is just speeding away
thought she was James Dean for a day
then I guess she had to crash
valium would've helped that bash
she said "Hey babe take a walk on the wild side" ...

Wenn ich etwas in meinem Leben bereue, dann zwanzig Jahre zu spät geboren worden zu sein. Was nicht heißt, ich wäre jetzt gern schon über 60. Trotzdem.

Je strukturierter die Welt da draußen wird, um so unwohler fühle ich mich. Irgendwie erinnert mich die Welt da draußen schon stark an Mitterer's Utopie aus der Piefke-Sage (die "Natur" ist nur mehr aus Plastik und sie bedeckt eine große Mühlhalde).

Eigentlich ist es fasziniernd, wie wohl ich mich in 'chaotischen' Umständen fühle. Je chaotischer, um so besser. Momentan bin ich nicht mal mehr versichert. Und mache ich mir Gedanken darüber? Äh, ja, jetzt, aber nur als Beispiel. Genauso folge ich keinem bestimmtem Ausbildungs-/Weiterbildungs-/Entwicklungs-Ziel. Ich folge dem, was mich gerade fasziniert. Tauche auch mal für ein Monat in so abstruse Themen wie die Programmierung/Optimierung von modernen Schachengines ab. Jede Menge Schach-eBooks sind geblieben und die Erkenntnis, was für ein "dreckiges" Geschäft da bestimmte Nischenmarktführer betreiben. Da die gibt tatsächlich eine Opensource-Engine, die Fritz und Konsorten ohne Probleme schlägt. Zumindest auf meiner alten Hardware waren die Ergebnisse genauso eindeutig. Erstaunlich, wie man so ein Projekt überhaupt fast weltweit moppen kann. Wirklich erstaunlich. Nicht minder erstaunlich war der Source. Durch die italienisch-russische Herkunft war es mehr Rätselraten als Aha-Erlebnis ...

Da sind ein paar Ideen a la "Good Morning, Vietnam". Ja, warum eigentlich nicht einmal ein Audio-Projekt? Die Musik aus der Ära gemischt mit ein paar Texten als Overlays. In Stilfragen steht Robin Williams Pate. Dazu noch ein schrill-buntes Cover und fertig ist die Hommage an eine längst vergangene Zeit.

Synonym des Tages.

hinterfotzig <==> retrovaginal

Mittwoch, 3. Februar 2010

Wirklichkeit.

Setzt sich nicht die Unschärfe, die in der Quantenwelt vorherrscht, bis in unsere makroskopische Welt fort?

Auf der Suche nach dem Wesen der Wirklichkeit komme ich immer wieder zu dem Bild der Wahrnehmungssphären zurück. Wir können zwar unsere Sinne technisch erweitern und somit auch etwas hören oder sehen, was tausende Kilometer entfernt stattfindet, doch wieviel Information als Gesamtes aufgenommen und verarbeitet werden kann, bleibt beschränkt. Sehe ich nach links, sehe ich nicht, was rechts passiert. Das, was sich da nach 'ich erlebe die Wirklichkeit' anfühlt, ist und bleibt nur ein mikroskopischer Ausschnitt der Wirklichkeit selbst, ein winziger Teil des Ganzen bzw. eine Perspektive unter unzähligen Perspektiven. Der Rest ist Phantasie, ein Produkt unseres ständig Hypothesen-entwerfenden und -verifizierenden Gehirns.

Jeder von uns trägt seine eigene Wirklichkeit spazieren.

Keine der Wirklichkeiten ist per se besser oder schlechter, richtiger oder falscher als die andere. Sie sind nur anders.

Die Wirklichkeiten zweier Menschen lassen sich nie vollständig synchronisieren.

Nichts ist selbstverständlich.

Quintessenz:

Wirklichkeit == ein paar Fakten und jede Menge Phantasie

Andre Heller: Die wahren Abenteuer sind im Kopf.

Ich wär ein schlechter Kapitän,
die Meridiane sind mein Handwerk nicht.
Und trommelte auch der Regen
in den Tropen Neuguineas
die Mangoblätter wund,
es heißt, am Ende aller Reisen weiß man doch
wiederum die Erde rund.

Und Abendstern und Kleiner Bär
sind Feuer in der schwarzen Wiese
über meinem Haus.

Die wahren Abenteuer sind im Kopf,
und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.
Die wahren Abenteuer sind im Kopf,
und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.

Der Maskenhändler mit der Blutmaschine,
der Detektiv der kühlen Worte,
das Saltorückwärts-Kind mit Bakelitperücke,
die Schmerzensdienerin des Hokusei,
Sie alle sind in meinem Kopf, und sind sie nicht
in meinem Kopf, dann sind sie nirgendwo.
Sie alle sind in meinem Kopf, und sind sie nicht
in meinem Kopf, dann sind sie nirgendwo.

Im Jahr der Insekten, dem Dreimonatsjahr,
gleitet von Ferne in der Nähe, bizarre,
gefräßige Architektur aus Stachel
und Zange, Schere und Lärm und stielt
die Schatten aus den Zweigen und dringt
in den Traum des Soldaten. Und die kleinen
Gebärden der Hasardeure werden wie Segel eingeholt.

Die wahren Abenteuer sind im Kopf, in meinem Kopf,
und sind sie nicht in meinem Kopf, dann sind sie nirgendwo.

Die wahren Abenteuer sind im Kopf, in deinem Kopf,
und sind sie nicht in deinem Kopf, dann suche sie.
Die wahren Abenteuer sind im Kopf, in euren Köpfen,
und sind sie nicht in euren Köpfen, dann suchet sie.

Die Wirklichkeit, die Wirklichkeit trägt wirklich ein
Forellenkleid und dreht sich stumm,
und dreht sich stumm nach anderen Wirklichkeiten um.

Tractatus / III.

Round: 17 oder so
Credits left: 0
... gonnnnnnnnng ...

Sie wird wieder aggressiver. Zuerst die x-SMS-langen Selbstbefriedigungsphantasien, dann das "Red' wenigstens wieder mit mir, daß ich abschließen kann", dann: "ich konnte ihn nicht küssen, nicht mit ihm schlafen". Dazwischen: Selbstbeweihräucherung, Vorwürfe, Komplimente und der Titel Märchenprinz.

Die einzig sinnvolle Reaktion ist, keinen Mucks von mir zu geben. Was könnte ich sonst tun, was ich nicht schon probiert hätte? Eben. Jedes Entgegenkommen wäre nur wieder ein Zeichen für sie, aus dem sie Hoffnung schöpfen würde.

Es macht mich traurig, dass das so ist, dass sie partout nicht loslassen kann. Es macht mich traurig und zieht mich in einen Strudel aus irrationaler Schuld (und irrational ist diese Schuld, denn wie könnte ich nur durch meine Existenz und die Wahl meines eigenen Wegs schuldig sein?).

Schuld ist eine der hinterhältigsten Formen der Anhaftung.

M., meine Ex-Arbeitskollegin, ist nun in Pension. Obwohl sie als Informatikerin gerarbeitet hat, ist sie, was Computer betrifft, etwas "unbedarft". Vielleicht ist es ihr Alter, keine Ahnung, aber einen eigenen Rechner aufsetzen, schafft sie einfach nicht. Lange Rede, kurzer Sinn: gestern hatte ich das Vergnügen ein Dell-Business-Set (Laptop, Dockingstation, externer Schirm etc.pp.) aufzusetzen (umringt von fünf Katzen und einen Chaos, das meinem Chaos hier sehr ähnelt). Windows 7, ein mobiler Breitbandzugang per USB-Stick, VMWare-Player mit dem Suse Server Image vom alten Firmenlaptop ... lief alles relativ flott bis, ja bis zu einem letzten Reboot, um die Bedienung des Setups vorzuführen. Nach dem Reboot war es vorbei mit dem Breitbandzugang. Software inklusive Treiber zigmal deinstalliert und wieder installiert .... njet, WWW (welt-weites-warten) bis zum Sankt Nimmerleinstag.

Nichts ist dämlicher, als wenn das Internet streikt und kein anderer Rechner mit Zugang zu Google verfügbar ist. Zig Stunden verschissen, dann später zu Hause in fünf Minuten die Lösung gefunden. Der VMWare-Player ist der "Bösewicht". Er ersetzt die Windows-USB-Treiber durch eigene und das beeinflusst das System, auch wenn der Player nicht läuft. Schön. Wieder etwas gelernt.

Zwischen den Reinstallationsorgien entsorgten wir noch ein Auto voll mit EDV-Antiquitäten (VAX, VT-220 Terminal etc.pp.). Mich für meine Zeit von ihr bezahlen zu lasssen, habe ich natürlich abgelehnt.

Mein erster Ausflug in die Welt von Windows 7 hat einen sehr gemischten Eindruck hinterlassen. Keine Frage, die Oberfläche ist stylish, aber wenn es um die Systemadministration oder die Fehlerdiagnose geht, bleibt oft nur Trail-and-Error, außer einem lapidaren "geht nicht" gibt es selten hilfreiche Informationen. Hier ist für meinen Geschmack eindeutig zuviel 'Magic' im Spiel.

Montag, 1. Februar 2010

Sekundenmilliardär.

Ab dem Alter von 31,688 Jahren ist man Sekundenmilliardär.

Wenn also jede Sekunde einen Euro verdient (bzw. 3600 Euro in der Stunde), hat man nach nicht ganz 32 Jahren eine Milliarde zusammen.

Natürlich kann man nicht 32 Jahre lang durchgehend 24 Stunden am Tag arbeiten und der Staat will natürlich auch etwas ab, d.h. es müßten dann wohl so um die 15.000-20.000 Euro pro Stunde sein, um die Milliarde in 32 Jahren zu erreichen ...