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Freitag, 5. Februar 2010

Tractatus / V.

Meine Gedanken kreisen, wie in letzter Zeit öfters, um das Ich, diese Schimäre einer Illusion. Wieviel Potential steckt da eigentlich in uns?

Freud's Fehler war die Naivität zu glauben, die menschliche Psyche bestünde nur aus wenigen funktionalen Blöcken mit klar umrissenen Aufgaben. Die gesamte Psychologie ist diesem Irrglauben lange gefolgt. Blockdiagramme sind ja hübsch und vor allem: sie sind so einfach verständlich. Man braucht kein Genie zu sein oder seine Intuition bemühen - ein paar Blöcke, klare Fronten, fein.

Anstatt Zazen zu sitzen, bemühe ich meinen Verstand. Wie kann man(n) nur so dumm sein? Mein Verstand ist störrisch, stur wie ein Esel. Mit offenen Augen in die Mauer. Einmal. Zweimal. Dreimal. In die Mauer. In einem fort mit offenen Augen in die Mauer.

Diese kleine, störrische Ich klammert. Und wie es klammert. Die Stimme ist süßlich, schmeichelnd. Die Versöhnlichkeit in ihr klingt nicht echt.

Das Anrennen gegen die Mauer läßt sich auch andersherum interpretieren: die Unsinnigkeit ist nur oberflächlich. Dahinter steckt ein Erdungsakt.

Am Montag wieder Zazen sitzen nach striktem Wochenplan. Das Ende des Winters rückt langsam näher und die Idee bzgl. Japan und Kloster ist noch immer nicht vom Tisch.

Langsam fühle ich mich bereit hinter den Vorhang zu sehen.

Tractatus / IV.

And I don't know a soul who's not been battered
I don't have a friend who feels at ease
I don't know a dream that's not been shattered
or driven to its knees
But it's all right, it's all right
We’ve lived so well so long
Still, when I think of the road
we're traveling on
I wonder what went wrong
I can't help it, I wonder what went wrong

- An American Tune

1981. Der Central Park ist voll mit Menschen. “What a night!", sagt ein sichtbar gerührter Art Garfunkel, "I thought it might be somewhat crowded, but we seem to have filled the place.” Ich bin gerade zu Besuch bei einem Schulkameraden in einer alten Villa am Traunsee, fasziniert sitzen wir vor dem Fernseher.

"It’s great to do a neighbourhood concert."

Recht hat er, und seit die Fernseher sich in die Wohnzimmer geschlichen haben, ist die Nachbarschaft viel größer geworden.

Nach dem "Concert in Central Park" geht es ein bischen zurück in der Zeit und quer übers Meer. November 1979, Supertramp live in Paris.

Es ist eigenartig, welche Wirkung die Bilder und Songs auf mich haben. Damals gesehen und heute, 30 Jahre danach, faktisch ein ganzes Leben später. Das Leben ist ein Sturzbach.

Was besonders auffällt: die Geschwindigkeit mit der sich die Veränderungen vollziehen, nimmt rasant zu. Lokale, soziale Strukturen zerfallen zunehmend. Studentenproteste verkommen zu Events.

Gerade läuft die Playlist durch die Alben der Doors. Um bestimmte Musik zu verstehen, braucht es Whiskey, Magic Mushrooms und anderer Zaubersachen. Schade, dass nichts davon zur Hand ist ...

Ich fühle mich angespannt. Für Morgen hat sich mein Neffe zum Nächtigen angesagt und hier sieht's aus wie ... hmmmmm ... na wie bei einem, der Hausarbeiten gerne mal auf die lange Bank schiebt. Sonntag, dann der nächste Termin mit meiner Ex-Arbeitskollegin zwecks ihrem Computer.

Nachtrag:

Für den Abend bzw. die Nacht steht die zweite Staffel von Twin Peaks (1990) auf dem Programm. Hallo again, Agent Cooper.

Nachtrag 2:

Das man so perfekte Live-Konzerte hinbekommt, hat mich schon immer gewundert. Also entweder sind die Mitschnitte aus verschiedensten Supertramp-Konzerten allesamt was Ton und Bild betrifft schrecklich asynchron oder die Jungs haben nie live gesungen.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Now Playing: Lou Reed & The Velvet Underground - Pale Blue Eyes.

Sometimes I feel so happy
sometimes I feel so sad ...

Momentan höre ich mich kreuz und quer durch Alben, die so um 1968-1970 in den Charts waren. Das war wohl die erste Musik, die ich gehört habe. Was mich fasziniert, ist, wie vertraut das alles klingt. Vertraut, gleichzeitig drecker und auch wärmer, menschlicher als die Musik von Heute. Woher kommt das plötzliche Interesse an dieser Musikperiode?

.. Jackie is just speeding away
thought she was James Dean for a day
then I guess she had to crash
valium would've helped that bash
she said "Hey babe take a walk on the wild side" ...

Wenn ich etwas in meinem Leben bereue, dann zwanzig Jahre zu spät geboren worden zu sein. Was nicht heißt, ich wäre jetzt gern schon über 60. Trotzdem.

Je strukturierter die Welt da draußen wird, um so unwohler fühle ich mich. Irgendwie erinnert mich die Welt da draußen schon stark an Mitterer's Utopie aus der Piefke-Sage (die "Natur" ist nur mehr aus Plastik und sie bedeckt eine große Mühlhalde).

Eigentlich ist es fasziniernd, wie wohl ich mich in 'chaotischen' Umständen fühle. Je chaotischer, um so besser. Momentan bin ich nicht mal mehr versichert. Und mache ich mir Gedanken darüber? Äh, ja, jetzt, aber nur als Beispiel. Genauso folge ich keinem bestimmtem Ausbildungs-/Weiterbildungs-/Entwicklungs-Ziel. Ich folge dem, was mich gerade fasziniert. Tauche auch mal für ein Monat in so abstruse Themen wie die Programmierung/Optimierung von modernen Schachengines ab. Jede Menge Schach-eBooks sind geblieben und die Erkenntnis, was für ein "dreckiges" Geschäft da bestimmte Nischenmarktführer betreiben. Da die gibt tatsächlich eine Opensource-Engine, die Fritz und Konsorten ohne Probleme schlägt. Zumindest auf meiner alten Hardware waren die Ergebnisse genauso eindeutig. Erstaunlich, wie man so ein Projekt überhaupt fast weltweit moppen kann. Wirklich erstaunlich. Nicht minder erstaunlich war der Source. Durch die italienisch-russische Herkunft war es mehr Rätselraten als Aha-Erlebnis ...

Da sind ein paar Ideen a la "Good Morning, Vietnam". Ja, warum eigentlich nicht einmal ein Audio-Projekt? Die Musik aus der Ära gemischt mit ein paar Texten als Overlays. In Stilfragen steht Robin Williams Pate. Dazu noch ein schrill-buntes Cover und fertig ist die Hommage an eine längst vergangene Zeit.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Tractatus / III.

Round: 17 oder so
Credits left: 0
... gonnnnnnnnng ...

Sie wird wieder aggressiver. Zuerst die x-SMS-langen Selbstbefriedigungsphantasien, dann das "Red' wenigstens wieder mit mir, daß ich abschließen kann", dann: "ich konnte ihn nicht küssen, nicht mit ihm schlafen". Dazwischen: Selbstbeweihräucherung, Vorwürfe, Komplimente und der Titel Märchenprinz.

Die einzig sinnvolle Reaktion ist, keinen Mucks von mir zu geben. Was könnte ich sonst tun, was ich nicht schon probiert hätte? Eben. Jedes Entgegenkommen wäre nur wieder ein Zeichen für sie, aus dem sie Hoffnung schöpfen würde.

Es macht mich traurig, dass das so ist, dass sie partout nicht loslassen kann. Es macht mich traurig und zieht mich in einen Strudel aus irrationaler Schuld (und irrational ist diese Schuld, denn wie könnte ich nur durch meine Existenz und die Wahl meines eigenen Wegs schuldig sein?).

Schuld ist eine der hinterhältigsten Formen der Anhaftung.

M., meine Ex-Arbeitskollegin, ist nun in Pension. Obwohl sie als Informatikerin gerarbeitet hat, ist sie, was Computer betrifft, etwas "unbedarft". Vielleicht ist es ihr Alter, keine Ahnung, aber einen eigenen Rechner aufsetzen, schafft sie einfach nicht. Lange Rede, kurzer Sinn: gestern hatte ich das Vergnügen ein Dell-Business-Set (Laptop, Dockingstation, externer Schirm etc.pp.) aufzusetzen (umringt von fünf Katzen und einen Chaos, das meinem Chaos hier sehr ähnelt). Windows 7, ein mobiler Breitbandzugang per USB-Stick, VMWare-Player mit dem Suse Server Image vom alten Firmenlaptop ... lief alles relativ flott bis, ja bis zu einem letzten Reboot, um die Bedienung des Setups vorzuführen. Nach dem Reboot war es vorbei mit dem Breitbandzugang. Software inklusive Treiber zigmal deinstalliert und wieder installiert .... njet, WWW (welt-weites-warten) bis zum Sankt Nimmerleinstag.

Nichts ist dämlicher, als wenn das Internet streikt und kein anderer Rechner mit Zugang zu Google verfügbar ist. Zig Stunden verschissen, dann später zu Hause in fünf Minuten die Lösung gefunden. Der VMWare-Player ist der "Bösewicht". Er ersetzt die Windows-USB-Treiber durch eigene und das beeinflusst das System, auch wenn der Player nicht läuft. Schön. Wieder etwas gelernt.

Zwischen den Reinstallationsorgien entsorgten wir noch ein Auto voll mit EDV-Antiquitäten (VAX, VT-220 Terminal etc.pp.). Mich für meine Zeit von ihr bezahlen zu lasssen, habe ich natürlich abgelehnt.

Mein erster Ausflug in die Welt von Windows 7 hat einen sehr gemischten Eindruck hinterlassen. Keine Frage, die Oberfläche ist stylish, aber wenn es um die Systemadministration oder die Fehlerdiagnose geht, bleibt oft nur Trail-and-Error, außer einem lapidaren "geht nicht" gibt es selten hilfreiche Informationen. Hier ist für meinen Geschmack eindeutig zuviel 'Magic' im Spiel.

Sonntag, 31. Januar 2010

Tractatus / II.

Es ist eigenartig wie schnell sich das Gefühl einstellt hat, ich könne nie wieder einer Frau wirklich nahe sein.

Obwohl seit meinem Geburtstag und somit dem Beginn dieser enthaltsamen Phase nur ein paar Monate vergangen sind, fühlt es sich so an als wären schon Jahre verstrichen und als wäre es Teil eines alten Lebens, das ich nie wieder führen werde. Nicht das ich mich darüber beklagen will. Genau das habe ich ja gesucht - die Zeit, Muse, Ruhe und genug Einsamkeit um mich selbst zu finden, gibt es nur dort, wo keine Menschen sind. Mich überrascht nur wie extrem der empfundene Wandel ist.

Der Bär in seiner Winterhöhle. Ich verschlafe meine Tage und Nächte zwar nicht, aber genau wie der Bär verlasse ich meine Höhle auch nur selten und dann nur um die Nahrungsvorräte aufzustocken (okay, die Zigarettenvorräte natürlich auch, im Gegensatz zum Bären habe ich ja eine EC-Card).

Doch selbst in dieser Abgeschiedenheit finden mich die Sirenengesänge. Obwohl ich ihr nicht antworte, füllt sich mein Handy mit SMS von E., dann und wann ein Bild mit freizügigstem Inhalt, dem Vergessen sollte man ja immer vorbeugen. In ihren SMS durchläuft sie so etwas wie emotionale Biorythmen: von unterwürfig zu aggressiv, von Femme Fatale zu Mutter Theresa, von versöhnlich schmeichelnd zu abscheulich unter jeglicher Gürtellinie. Ich weiß nicht, warum ich ihre SMS überhaupt noch lese. Irgendetwas fasziniert mich daran.

Ein anderer Sirenengesang ist der von A. Irgendetwas hat mich Weihnachten dazu gebracht mit ihr zu telefonieren. Ich wollte irgendwie einfach nur nett sein, mich mal wieder melden und hören wie es ihr und den Jungs so geht - keinerlei Hintergedanken. Wie direkt sie sein kann, hatte ich schon völlig vergessen. Nun habe ich ihren Sirenengesang in den Ohren. Ein Wochenende im neuen Jahr. Wochenende für Wochenende denken ich daran, und Wochenende für Wochenende entscheide ich mich dagegen.

Zuviel Innigkeit, zuviel Nähe, zuviel .... von allem zu viel. Es gibt stets einen Sättigungspunkt, dahinter folgt das Jammertal. Es gehört Disziplin dazu, Sättigungspunkte zu vermeiden. Ich habe keine Disziplin.

Die neu gefundene Ruhe, der Gleichklang mit mir selbst, fühlt sich unendlich kostbar an. Ich spüre aber auch wie fragil dieses Zentrum noch ist. Es braucht nicht viel und alte Schemata brechen auf.

Freitag, 29. Januar 2010

Tractatus / I.

Die Sehnsucht ist wie ein albernes Kind, das das Wort Warum tausende Male wiederholt. Entgegen der Vernunft setzt die Sehnsucht auf den zermürbenden Effekt der Endlosschleife, die jede Erklärung solange unterspült bis sie in Vergessenheit ertrinkt.

Freitag Nacht.

Soll ich noch raus? Soll ich nicht? Selbst dieses Laster (die Freitagnächte) habe ich nun fast aufgegeben. Zugegebenerweise nicht ganz freiwillig, aber ich wollte ihr nicht mehr begegnen, wollte ihre Pheromone nicht mehr in meiner Nase. Da ist nichts, was sich nach Liebe anfühlt, nichts an gefühlter Freundschaft, - genaugenommen würde ich sie am liebsten anschreien -, und doch: ihre Nähe macht mich verrückt, macht mich eifersüchtig auf die Kerle, die sie umschwirren. Die fast unwiderstehliche, sexuelle Anziehung und die Gewissheit, dass ein einziges Wort reichen würde ... manches ist dann doch ein wenig zu viel der Selbstgeiselung.

Mein ausgesprochener Dank für diesen besinnlichen Abend geht hiermit an meine Mutter bzw. an eins ihrer Weihnachtsgeschenke: den selbstgemachten, dunklen Schnaps. Da sich dieser bestens als Verdauungströpfchen eignet und da sich mein Magen mit Äpfeln und Karotten heute besonders quälen mußte, habe ich sicherheitshalber die Flasche nachgeleert. Da blubbert und gärt nun garantiert nichts mehr.

Dieses verdammte Miststück geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Was soll das? Sie ist keine von den Guten. Da ist ein Haken dran. Capisce?

(in der Tat sind es in Freitagnächten stets Unmengen an Haken, aber das ist eine andere Geschichte)

Toll. Irgendwie bin ich wie der Käfer, der nicht ans Ende der Fahnenstange glaubt. Wobei: der Käfer hat wahrscheinlich intakte Flügel. Meine fühlen sich hingegen gerade ein wenig rostig an. Außer einem pragmatischen "es kommt, wie's kommt" bleibt da nicht viel.

Memme. Wo ist Deine Abenteuerlust?

Schau in den Spiegel. Langsam gehst Du als Wanderprediger durch. Wenn schon, denn schon: dann predige auch.

Wo wir gerade bei Sehnsucht sind: ach nein, dieses Thema wird für heute ersatzlos gestrichen. Aus mit Sehnsucht. Wenn ich mir das Leben anderer so anschaue, ist ja sowieso alles Paletti. Prost, Mam.