Freitag, 17. April 2009

Über das Glück.

Je mehr es dem Menschen um Lust geht, um so mehr vergeht sie ihm auch schon. Je mehr er nach Glück jagt, um so mehr verjagt er es auch schon. Um dies zu verstehen, brauchen wir nur das Vorurteil zu überwinden, daß der Mensch im Grunde darauf aus sei, glücklich zu sein; was er in Wirklichkeit will, ist nämlich, einen Grund dazu zu haben. Und hat er einmal einen Grund dazu dann stellt sich das Glücksgefühl von selbst ein. In dem Maße hingegen, in dem er das Glücksgefühl direkt anpeilt, verliert er den Grund, den er dazu haben mag, aus den Augen, und das Glücksgefühl selbst sackt in sich zusammen. Mit anderen Worten, Glück muß erfolgen und kann nicht erzielt werden.

- Viktor Frankl

Donnerstag, 16. April 2009

Auszeit.

Ein Gedanke von Viktor Frankl geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Er schreibt, daß es nicht möglich ist, glücklich sein zu wollen, denn Glück ist nur ein Symptom. Was der Mensch wirklich braucht, ist ein Grund um glücklich zu sein. Ist der Grund vorhanden, stellt sich Glück ganz von allein ein.

Die unfreiwillige Auszeit beschert mir eine Wiederbegegnung mit Michael Ende's wohl ungewöhnlichstem Buch 'Der Spiegel im Spiegel'. Absurd, tiefgründig, kafkaesk sind die ersten Attribute, die mir spontan dazu einfallen. In dreißig Geschichten meditiert der Autor über die großen Themen des Menschseins, der Gesellschaft, über die Welt. Einfach wundervoll (und irgendwie so ganz anders als seine anderen Bücher).

Zwischen den Geschichten lege ich kleine Arbeitspausen ein. Waschen, einkaufen, kochen, Ordnung schaffen. Viel Liegengebliebenes wird erledigt. Das eine und andere Glas Campari-Orange gibt's als Belohnung - und natürlich die nächste Geschichte.

Auf meinen Wanderungen erinnerte ich mich, daß ich doch einen Kindheitstraum - bezüglich was ich einmal machen möchte - hatte. Mein Traum war es irgendwann einmal in den Wäldern weit ab der Zivilisation zu leben.

Kanada, Alaska, vielleicht Kamtschatka. Warum eigentlich nicht?

Wenn ich durch die kleinen Dörfer komme, bin ich immer wieder überrascht, um wieviel menschlicher sich Menschen dort begegnen. Es ist völlig selbstverständlich, daß man sich zumindest freundlich grüßt, egal ob nun Fremder oder Bekannter - ein paar Worte, ein Lächeln. Ich fühle mich an meine Kindheit erinnert, an meine Erziehung. Manchmal ist man sich nicht bewußt, das man etwas vermisst.

Mittwoch, 15. April 2009

Marathon.

Mit dem Bike ist die Distanz von knapp über 42 Kilometer nicht viel. Bis vor ein paar Jahren fuhr ich das nach der Arbeit fast täglich zur Entspannung. Doch zu Fuß und dann noch laufen? Heute bin ich die Distanz gegangen - 42,3 Kilometer in 7,5 Stunden Gehzeit (8,5 Stunden gesamt). Die ersten 5 Stunden Nonstop, dann waren immer häufiger Pausen notwendig. Die abschließenden drei Stockwerke hoch in meine Wohnung kamen mir noch nie so lange vor.

In diesem Leben werden ich solche Strecken garantiert nie laufen. Versprochen liebe Füße.

Ruhe im Kopf. Das tägliche, stundenlange Gehen bewährt sich.

Nachtrag:

Es ist schon lange her, daß ich 12 Stunden am Stück geschlafen habe. Normalerweise komme ich kaum auf die Hälfte. Mit dem Training werde ich heute pausieren. Die Muskeln sind zwar okay, aber die Sehnen in der rechten Kniekehle sind gezerrt und schmerzen bei jedem Schritt.

Montag, 13. April 2009

Über Bücher.

Der Lesehunger der Jugend ist bekannt. Instinktiv weiß sie um die Kraftquellen, die ihr da zur Verfügung stehen. Wie anders ließe sich erklären, was sich einmal - vor Jahrzehnten - im Lager Theresienstadt ereignet hat. Ein Transport mit an die tausend jungen Menschen mußte zusammengestellt werden, und am nächsten Morgen ging es ins Lager Ausschwitz. Am selben Morgen aber mußte festgestellt werden, daß in der Nacht in die Lagerbücherei eingebrochen worden war. Jeder einzelne von den Todgeweihten hatte sich Werke seiner Lieblingsdichter, aber auch wissenschaftliche Bücher in den Rucksack gestopft. Als Reiseproviant auf der Fahrt ins (zum Glück noch) Unbekannte. Und jetzt soll mir jemand noch kommen und sagen: "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral".

- Viktor E. Frankl

Zeitlos aktuell.

Welchem Beruf immer ein hoffnungsvoller, junger Mensch sich zuwendet, er wird in Vorbereitung zum Beruf so viel lernen und später bei seiner Ausübung so viel arbeiten müssen, daß er einfach keine Zeit hat, über andere Wissensgebiete auch nur einigermaßen orientiert zu bleiben. Er hat nicht einmal genug Zeit, um "zu sich zu kommen", zu reflektieren. Die Reflexion aber ist eine konstitutive Eigenschaft des Menschen, sie ist ein Menschenrecht, und die in Rede stehende Entwicklung unserer Kultur, bedeutet einen Verlust an Menschlichkeit. Ganz sicher ist es das Gefühl für diesen Verlust, das so vielen jungen Menschen das Leben sinnlos erscheinen läßt. Dieses Sinnlosigkeitsgefühl ist, wie Viktor Frankl sagt, charakteristisch für eine Massenneurose, die heute unsere westliche Kultur ergriffen hat.

(...)

Ein echter Massenwahn der heutigen Menschheit besteht in dem Irrglauben, es habe nur dasjenige reale Existenz, was sich in der Sprache der exakten Naturwissenschaften ausdrücken und quantifizierend beweisen läßt. Damit wird die ganze Welt der Emotionen, werden menschliche Würde und Freiheit, kurzum alles, was einen wirklichen Wert darstellt, für Illusion erklärt. Zu diesem Irrglauben trägt der Umstand bei, daß für jeden Menschen nur das wirklich erscheint, womit er täglich umgeht, worauf er wirkt und was auf ihn zurückwirkt. Dies aber ist für die Mächtigen und Verantwortlichen dieser Welt, die man unter dem Modewort der "Lobbies" zusammenfassen kann, ausschließlich das Geld. Mit ihm lassen sich außerdem wunderschöne mathematische Operationen vornehmen.

Paradoxerweise halten sich diese Geldmenschen für Realisten und wollen nicht verstehen, daß ein exponentielles Wachstum der Wirtschaft im endlichen Rahmen unseres Planeten zur Katastrophe führen muß. Den Ökologen, der ihnen vorrechnet, wie bald diese Katastrophe zu erwarten ist, halten sie merkwürdigerweise für einen Träumer, der sich in nostalgischen Illusionen nach grünen Wäldern und singenden Vögeln sehnt. Das man nur das essen kann, was die Photosynthese in diesen grünen Pflanzen erzeugt, begreifen sie nicht und die Sage von König Midas macht ebensowenig Eindruck auf sie wie die Aussage des alten wienerischen Sprichwortes, daß man goldene Nockerl nicht fressen kann.

- Konrad Lorenz, 1979 (Vorwort zu: Viktor E. Frankl - Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn)

Erinnerung.

Es berührt mich seltsam, wenn dieser schweigsame Mann (mein Vater) ein Kompliment unter eins meiner Bilder setzt. Als Kind schien er nur Fehler an mir wahrzunehmen. Egal, was ich auch machte, egal wie sehr ich mich angestrengte, er kommunizierte nicht mit mir, außer als strafende Exekutive meiner Mutter ("sag Du doch auch mal was"), wobei er dann meist nur ihre Worte wiederholte oder tätlich wurde.

Hysterische Mutter, schweigend strafender Vater - eine klassische Kombination. Ringsum - hinter der Wand oder einen Stock höher in der Wohnung meiner Tante - erblühte die Kultur und das neue Lebensgefühl der 68er. Innerhalb unserer vier Wände fand sich davon nichts.

Sonntag, 12. April 2009

Resümieren / II.

Die Texte von Norman Fischer, Irvin Yalom, Alice Miller, Victor Frankl, J.P. Satre und Epikur, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, arbeiten in meinem Unterbewußtsein. Gerade habe ich noch bedauert, mich an keine Träume zu erinnern, brechen die Bilder auf mich ein. Ich fühle mich so verdammt hilflos, zweifle daran, ob meine Kraft für diese Gradwanderung reicht, zweifle, ob dieser Weg überhaupt sinnvoll ist, aber es ist der einzige Weg, der Hoffnung verspricht.

Und ich will hoffen, will die Dramen und Enttäuschungen endlich hinter mir lassen.