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Donnerstag, 23. April 2009

Sehnsucht.

Heute, sagte er, müßten die Menschen mehr denn je lernen, ohne Dinge zu leben. Dinge erfüllten die Menschen mit Furcht: je mehr Dinge, sie besaßen, um so mehr hatten sie zu fürchten. Dinge neigten dazu, sich an die Seele zu heften und der Seele dann zu befehlen, was sie tun solle.

aus: Bruce Chatwin / Traumpfade

Blind laufe ich durch das Leben. Ich spüre die Sehnsucht, lebe sie in Grenzerfahrungen aus, ohne zu verstehen, daß jedem Zuviel zwangsläufig der Entzug folgt. Kein Organismus erträgt Überaktivierung lange. Er passt sich an und gewöhnt sich an das hohe Erregungspotential. Was ich als depressiv empfinde, ist der Rückfall in die Normalität. Es ist der Preis, den es zu zahlen gilt, den ich zwangsläufig zahlen muß, wenn ich so weiter lebe.

Das Leben in den Städten, unser modernes Leben, kommt mir immer hohler vor. Im Kopf habe ich mich schon weit davon entfernt, was noch fehlt ist die Realisierung. Ähnlich einem, der vor der Entscheidung steht ins Kloster zu gehen, hadere ich mit mir, ob es richtig ist, ob ich mich nicht irre. Klar, es gibt Kompromisse. Ich könnte alles hier so belassen wie es ist, weiter Miete zahlen und nur mich selbst aus dem Bild entfernen, doch es würde nicht das Gleiche sein. Es wäre keine Entscheidung, keine Änderung, sondern nur eine Art Auszeit, zu wenig ernsthaft, schlicht ein weiterer fauler Kompromiss.

Die zweimonatige Reise sollte Klarheit schaffen. Ich hoffe, daß ich mich bis August zu einer Entscheidung durchringen kann.

Mittwoch, 15. April 2009

Marathon.

Mit dem Bike ist die Distanz von knapp über 42 Kilometer nicht viel. Bis vor ein paar Jahren fuhr ich das nach der Arbeit fast täglich zur Entspannung. Doch zu Fuß und dann noch laufen? Heute bin ich die Distanz gegangen - 42,3 Kilometer in 7,5 Stunden Gehzeit (8,5 Stunden gesamt). Die ersten 5 Stunden Nonstop, dann waren immer häufiger Pausen notwendig. Die abschließenden drei Stockwerke hoch in meine Wohnung kamen mir noch nie so lange vor.

In diesem Leben werden ich solche Strecken garantiert nie laufen. Versprochen liebe Füße.

Ruhe im Kopf. Das tägliche, stundenlange Gehen bewährt sich.

Nachtrag:

Es ist schon lange her, daß ich 12 Stunden am Stück geschlafen habe. Normalerweise komme ich kaum auf die Hälfte. Mit dem Training werde ich heute pausieren. Die Muskeln sind zwar okay, aber die Sehnen in der rechten Kniekehle sind gezerrt und schmerzen bei jedem Schritt.

Dienstag, 7. April 2009

Trockentraining.

Als Vorbereitung auf die Tour nach Amsterdam habe ich angefangen täglich ein paar Stunden zu gehen. Momentan sind es 15 Kilometer pro Tag, in den nächsten Wochen werde ich es auf 30 Kilometer steigern.

Unterwegs mäandern meine Gedanken durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Obwohl sich dabei viele dunkle Gedanken einschleichen, hat das in Bewegung sein etwas Tröstliches. Der Schmerz läßt sich leichter ertragen, ich verdränge nicht sofort wieder, sondern lasse ihn zu, analysiere die widerstreitenden Motive.

Die Bitterkeit bei manchen Gedanken (gerade in Zusammenhang mit V. und ihrem Sohn, der meiner hätte sein können) verfliegt nicht, nur weil ich weiß, daß meine Entscheidungen richtig waren. Im Gegenteil: ich fühle mich schuldig, obwohl rational keinerlei Grund dafür vorhanden ist.

Donnerstag, 26. März 2009

40 Tage: Von einem, der auszog seine Wüste zu suchen / III.

Wenn ich die Route nicht schon im Detail vorplanen will, brauche ich detailliertes Kartenmaterial für unterwegs. Obwohl ich eigentlich relativ techniklos unterwegs sein wollte (abgesehen natürlich von der Photoausrüstung), spricht heute nichts mehr für Papierkarten. Zu umständlich, zu wenig Zusatznutzen, zu schwer.

Als Einstieg in die GPS-gestützte Offroad-Navigation habe ich mich für das Oregon 400t von Garmin entschieden. Mit 375 Euro ist es zwar nicht umbedingt ein Schnäppchen, dafür aber ein Rundumtalent mit Kompass, Höhenmesser, Routentracking und genug Speicher für eigene Erweiterungen. Reicht der interne Speicher nicht, schluckt das Ding auch microSD-Karten bis 8GB. Die vorinstallierten Karten sind zwar nicht das Gelbe vom Ei, doch für was gibt es so geniale Projekte wie http://wiki.openstreetmap.org? Mit ein wenig zusätzlicher Vorbereitungszeit (sprich: Zusatzkartenerstellung), sollte auch dieses Thema erledigt sein.

Ich freue mich auf jeden Fall, wenn das Teil endlich da ist.

Was brauche ich sonst noch für die erste Probetour (== ein WE)?
  • Rucksack
  • Schlafsack + Matte + regenbeständigen Biwagsack
  • Nordicwalking-Stöcke
  • für Juni: neuer Reisepass/Zusatzakkus für 40D
Der restliche Kleinkram ist vorhanden. Ein Wunschspielzeug für unterwegs wäre auch noch das EF-S 17-55mm F2.8 IS von Canon. Mit 850 Euro zwar ebenfalls kein Schnäppchen, aber so könnte ich die Fotoausrüstung auf eine einzige "Immerdran"-Linse bei gleicher Qualität der Optik reduzieren. Das spart einerseits reichlich Gewicht und läßt außerdem Spielraum, was ich anschließend mit den Bildern mache. Vielleicht entsteht ja ein Buch. Wer weiß?

Dienstag, 24. März 2009

40 Tage: Von einem, der auszog seine Wüste zu suchen / II.

Die Route, die ich von hier aus nehmen will, hat sich geändert. Die neueste Idee: nicht mehr direkt nach Norden, sondern nach Nordwesten, d.h. erst von Graz aus ins Salzkammergut (Hotel Mama), dann weiter über Salzburg, Ingolstadt, Würzburg, Frankfurt und Köln nach Amsterdam. In Summe sind das 1200 Kilometer. Kann ich das zu Fuß wirklich bewältigen?

Die ersten 200 Kilometer bis ins Hotel Mama werden so etwas wie ein Prüfstein. Danach weiß ich, ob sich dieses Projekt als Ganzes realisieren läßt oder ob es nur ein Hirngespinst ist. Momentan bin ich jedoch fasziniert von der Idee. Geplant wird nicht viel. Zirka 6-8 Wochen bin ich hier noch "angebunden", d.h. der ehestmögliche Starttermin für die Tour ist Anfang Juni. Paßt eigentlich perfekt. Wenn ich grob 2 Monate einplane, bin ich Anfang August in Amsterdam. Die beste Zeit, um dort noch ein paar Wochen abzuhängen.

So oder so: es wird schon rein aus psychologischer Sicht ein spannendes Experiment. Auf dieser Reise werde ich mich zwangsläufig (mangels Ablenkung) mit mir selbst beschäftigen müssen. Hier in meiner gewohnten Umgebung weiche ich dem nur als zu leicht und gerne aus, ja, ich schrecke geradezu davor zurück tiefer zu graben. Irgendetwas in mir hält mich davon ab, meine Meditationspraxis wieder aufzunehmen. Ich möchte, aber ich kann nicht - ein inakzeptabler Zustand.

Montag, 16. März 2009

40 Tage: Von einem, der auszog seine Wüste zu suchen.

Als Westeuropäer Erleuchtung zu finden, ist wirklich nicht einfach, denn es mangelt praktisch an Allem. Wüste? Nada. Was Vergleichbares? Unwahrscheinlich. Selbst in den Bergen rennen Dir ständig Menschen über die Zehen. Trott, Trott, Trott. Bitte, danke.

Alternativ: vielleicht wegfahren? Den Camino gehen? Irgendwie ist das heute viel zu abgedroschen. Nein, ich starte von hier und gehe geradeaus gegen Norden. Bis zum Meer sind es laut Google Maps 950 Kilometer. Das sollte in 40 Tagen zu schaffen sein. Wüste gibt es dort zwar auch keine, aber der Weg - durch die Tschechei und dann an der Grenze zwischen Polen und Deutschland entlang - sieht interessant aus.

Etwas trainieren sollte ich vielleicht vorher. Zuerst mal ein paar Tage. Dann länger und dann los. Klingt nach einem Plan.