Mittwoch, 8. April 2009

Resümieren.

Nachdem ich mich nun fast zwei Wochen intensiv mit dem Thema der letzten Dinge (Tod, Isolation, Freiheit und Sinn) beschäftigt habe - auf den Wanderungen läßt sich auch wunderbar darüber nachdenken -, fühle ich mich seltsam ruhig. Die Getriebenheit des letzten Jahres ist verschwunden - ich bin gleichzeitig desillusioniert als auch beruhigt.

Dienstag, 7. April 2009

Trockentraining.

Als Vorbereitung auf die Tour nach Amsterdam habe ich angefangen täglich ein paar Stunden zu gehen. Momentan sind es 15 Kilometer pro Tag, in den nächsten Wochen werde ich es auf 30 Kilometer steigern.

Unterwegs mäandern meine Gedanken durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Obwohl sich dabei viele dunkle Gedanken einschleichen, hat das in Bewegung sein etwas Tröstliches. Der Schmerz läßt sich leichter ertragen, ich verdränge nicht sofort wieder, sondern lasse ihn zu, analysiere die widerstreitenden Motive.

Die Bitterkeit bei manchen Gedanken (gerade in Zusammenhang mit V. und ihrem Sohn, der meiner hätte sein können) verfliegt nicht, nur weil ich weiß, daß meine Entscheidungen richtig waren. Im Gegenteil: ich fühle mich schuldig, obwohl rational keinerlei Grund dafür vorhanden ist.

Sonntag, 5. April 2009

Über Schuld.

Der beste Weg - vielleicht der einzige Weg -, mit Schuld umzugehen - Schuld an der Verletzung eines anderen oder seiner selbst - ist Buße. Man kann nicht rückwärts gehen wollen. Man kann für die Vergangenheit nur büßen, indem man die Zukunft verändert.

- Irvin D. Yalom

Über Kreuzungen.

Einige Menschen können unbesorgt weitergehen, indem sie blind voranschreiten und glauben, daß sie auf der Hauptstraße gereist sind und daß alle Kreuzungen nur auf Seitenstraßen getroffen sind. Aber mit Bewußtheit und Vorstellungskraft voranzuschreiten heißt, von der Erinnerung an Kreuzungen berührt zu sein, denen man niemals mehr begegnen wird. Einige Menschen sitzen auf den Kreuzungen, schlagen keinen Weg ein, weil sie nicht beide nehmen können und hegen die Illusion, daß sich, wenn sie dort lange genug sitzen, die beiden Wege auflösen und zu einem werden, und daher beide möglich sind. Ein großer Teil der Reife und des Mutes besteht in der Fähigkeit, solche Verzichte zu leisten, und ein großer Teil der Weisheit ist die Fähigkeit, Möglichkeiten zu finden, die es uns erlauben, auf so wenig wie möglich zu verzichten.

- A. Wheelis: Will and Psychoanalysis

Über das Entscheiden: verlorene Alternativen.

Das größte Übel ist, das die Zeit ständig vergeht, und wirklich zu sein bedeutet auch Eliminierung.

- John Gardner / Grendel

Verantwortung.

Erst wer für das, was er ist, ebenso die Verantwortung übernimmt wie für das, was er werden will, kann die Kraft (und die Hoffnung) leben, die notwendig für den Veränderungsprozess ist.

- frei nach Irvin D. Yalom

Irvin D. Yalom: Existenzielle Psychotherapie / III.

Die zweite Hälfte begeistert sowohl in seiner Übersichtlichkeit, also auch in seinem Praxisbezug. Irvin beschreibt nicht nur seinen Ansatz, sondern präsentiert auch einen breiten Überblick konkurrierender Ansätze inklusive seiner Kritik an ihnen.

Was ich bei Camus, Satre und Heidegger vermisst habe, finde ich hier - und vor allem: es ist auf den Punkt gebracht. So wünschenswert Exaktheit in der Ausdrucksweise oft ist, die meisten Geisteswissenschaftler übertreiben damit und verstellen dem Leser so die Sicht auf die (leider oftmals banale) Quintessenz.

Prädikat: Höchst lesenswert.