Samstag, 15. November 2008

Frage / II.

Was hat das alles noch für einen Sinn, wenn da niemand ist mit dem man es teilen kann?

Dienstag, 11. November 2008

Facetten.

Schreiben fällt mir zunehmend schwerer. Vielleicht liegt es am Anspruch der Objektivität - den Menschen, über die ich schreibe, gerecht zu werden, meinen Gefühlen, meinem Innenleben gerecht zu werden. Vielleicht liegt es aber auch an meinem Dilletantismus beim Formulieren. Wenn ich schreibe, ich liebe sie, drückt das nichts aus. Liebe hat so viele Facetten und - genaugenommen - liebe ich viele Menschen: jeden bzw. jede auf ihre Art.

Wenn ich richtig analysiere - und zu irgendwas sollte der Psychotherapie-Lehrstoff, den ich durchgeackert habe, doch gut sein - waren und sind da eine gute Portion Vatergefühle involviert. Sie erzählt mir, sie sei schwanger. Meine erste Gedanken kreisten darum, das ich es in irgendeiner Art und Weise verabsäumt hätte, auf sie aufzupassen. Mein erster Gedanke war ein Selbstvorwurf. Sie in ihrer praktisch perspektivlosen Situation: gesundheitlich mit kaum Mitte 20 grobe Probleme, keinerlei Qualifikation - und nun schwanger.

Vatergefühle. Sie beschützen, ihr helfen wollen. Wie lange ist es hier, das ich in ihr überhaupt die Frau gesehen habe?

Donnerstag, 6. November 2008

Frage / I.

Die Trostlosigkeit des venzianischen Winters - warum traue ich mich nicht an solche Projekte ran? Warum lieber diese ereignislose Gleichmäßigkeit?

Markus Werner: Am Hang / II.

Das die beiden Protagonisten meinen Vornamen tragen, hat etwas Ironisches.

Auszug

Ach, Gott, sagte Loos, wie frei ihr alle seid! - Du bist es ja auch, sagte ich, und als reifer Beschützertyp könntest du, wenn du nur wolltest, so viele Frauen wie Finger haben, auch und gerade junge. - Ja, sagte Loos, frei bin ich, und nichts scheint mir wertloser. Der graue Satz stammt leider nicht von mir, obwohl er mich exakt ausdrückt. Dies nebenbei.

Ironie No. 2: Das Buch schenkte mir mein Skorpionmädchen.

Mein einziger Kritikpunkt an dem Buch ist das Godotsche Ende: es ist einfach unfair den Leser so zu entlassen.

Mittwoch, 5. November 2008

Lose Fäden.

Warum taucht längst Vergessenes urplötzlich wieder auf und mischt sich ungefragt in die Analyse? Ich will keine neuen Erklärungen. Ich will weitergehen, einen Schlußstrich rund um mich ziehen: gesamtes Buch zu, durchatmen, neues Buch auf. Genau das will ich. Keine Hirngespinste mehr, Ärmel hochkrempeln und los. Doch da hängen immer noch zu viele lose Fäden aus dem alten Buch. Es läßt sich nicht schließen.

Manchmal trifft man die richtige Entscheidung und manchmal trifft man die Entscheidung richtig.

- Captain Kirk

In den letzten Wochen und Monaten habe ich fast alle Frauen wieder gesehen, die mich ein paar Jahre begleitet haben. Mir war danach, bei jeder Einzelnen, einfach so, aus dem Bauch heraus. Ich habe angerufen, war Abendessen, Mittagessen, spazieren, Kaffee trinken, fand sogar ein neues Lieblingsrestaurant (Cooking Wu - ein chinesisch/mongolisches BBQ).

Mir ist bis jetzt nicht klar, Warum ich das getan habe. Warum vorher Null-Kommunikation über Monate - nicht mal innerhalb der eigenen Wohnung - und dann dieses Übermaß an Kommunikation? Das riecht nach Abschiednehmen.

Dienstag, 4. November 2008

Markus Werner: Am Hang

Marcel Reich Ranicki nennt den Autor im Klappentext einen unterhaltsamen und lebensklugen Erzähler und in der Tat lebensklug ist dieser Markus Werner.

Wenn ich nicht lügen will, muß ich dem Scheidungsanwalt Recht geben. Jede Beziehung führt zwangsläufig von oben Stufe für Stufe nach unten in die Hölle. Es ist nur eine Frage der Zeit und der Höhe des Falls. Genau diese Erfahrungen habe ich durch die Jahre gemacht oder bei anderen beobachtet. Da ist kein Platz für Hoffnung. Und doch: auch den Alten, der an die Liebe glaubt, kann ich nur zu gut verstehen, ja sogar besser als den jungen Abgebrühten.

Selten das ich bei einem Buch schon auf den ersten 50 Seiten so viele Stellen markiert habe (ein relativ neuer Tick). Wird Zeit zum Weiterlesen.

Montag, 3. November 2008

Erinnerung.

Die Tiefseefahrt bringt Erinnerungen aus meinen ersten Lebensjahren zurück. In der Dunkelheit erlebe ich wieder wie die Wellen im menschenleeren Hallenbad über mir zusammenschlagen, meine Hände hilflos nach Halt suchen und ich tiefer und tiefer in die nasse Stille sinke. Keine Angst, diese Worte habe ich noch im Ohr. Keine Angst, es kann nichts passieren. Eine gesprungene Fliese und die runden Lichter der Unterwasser-Beleuchtung - als ich atmen versuche, wird es dunkel.

Obwohl ich die Geschichte kannte, wurde sie doch oft genug mit erhobenem Zeigefinger erzählt, fehlte bisher jegliche Erinnerung daran. Nun, nach über 35 Jahren, sind die Erinnerungen in all ihrer Lebendigkeit zurück. Ich kann sie in Gedanken noch einmal erleben, spüre, was ich gespürt habe, denke, was ich gedacht habe. Keine Angst, nur Verwunderung über die Lüge, es könne nichts passieren.

Vertraue niemanden.